Francisco de Goya - Sein Werk

Revolutionär für einen Maler des 18. Jahrhundert ist es, Bilder frei nach dem eigenen Willen zu malen. Als Hofmaler arbeitet Goya, wie alle anderen Maler dieser Zeit, als Auftragsmaler. Es war bislang undenkbar, dass ein Künstler malt um Eigenes auszudrucken. Dass ein Künstler seiner selbst malt, ist für uns heute normal – damals glich dies mehr einem Skandal. „Kunst“ als Begriff gab es zur Zeit Goyas noch nicht, man sprach von „Handwerk“, das der Handwerker immer im Auftrag und für jemand anderen tat.

Obwohl Goya erfolgreich und anerkannt ist, geht es ihm primär darum, seine Vorstellungen, seine Sicht der Welt, ins Bild zu setzen. Es wird noch gut 100 Jahre dauern, bevor Künstler damit beginnen, sich mit expressiven und surrealen Ideen zu beschäftigen.

Goya lebt in einer unruhigen und von Veränderung geprägten Zeit. Die Tyrannei der Königshäuser und der Inquisition beschäftigen Goya sehr. Den Wandlungsprozess seiner Zeit, kann man anhand seiner Werke verfolgen. Goyas Bilder zeigen Darstellungen vom Krieg, Vergewaltigung, Prostitution und provokative Situationen aus dem Alltag. Goya kritisiert als erster Maler in der Geschichte, die Regierung und die Kirche offen in seinen Bildern. Er konzentriert sich bei seinen Motiven auf konkrete historische Ereignisse.

Goyas Malstil ist nicht eindeutig zuzuordnen. Er lebt in einer Zeit der Romantik und des Klassizismus und seine Art zu Malen bricht mit den Idealen dieser Zeit. Seine Art mit Licht, Zeit und Raum zu experimentieren führt die zukünftige Malerei des 19. Und 20. Jahrhunderts in eine neue und moderne Richtung. So gilt Goya als Vorläufer der Realismus, die erst um 1855 als eigenständiger Kunststil entsteht.

Das Gesamtwerk des Künstlers

Goya malte seine Bilder mit Ölfarben und benutzte für seine Radierungen die Aquatinta-Technik. Die Aquatinta-Technik ist eine Tiefdrucktechnik, die um 1760 vom Maler Babtiste Leprince entwickelt wird. Mit diesem Verfahren erstellt er seine Radierungen der beiden berühmten Serien: „Caprichos“ und „Die Schreckens des Krieges“. Insgesamt hinterlässt Goya über 800 Werke, bestehend aus Gemälden, Radierungen und Lithographien.

Ein Bild von Goya das besondere Aufmerksamkeit verdient, ist das Gemälde „Erschießung der Aufständischen am 03. Mai 1808“ (1814). Die Erschießung soll auf dem Hügel von Principe Pio stattgefunden haben, nach dem eine Gruppe aufständischer Spanier versucht, die Abreise ihres Königs zu verhindern, nachdem Napoleon Madrid eingenommen hatte. Diese Spanier wurden von französischen Soldaten erschossen. Dieses Bild, das ohne einen Auftrag an den Künstler entsteht, wird nicht alleinig wegen des Motivs bekannt. Auf eine neue Weise arbeitet Goya in diesem Bild mit Licht und dem Aufbau des Bildes, um seinen Ausdruck zu verstärken.

Romantik
Die Nackte Maya, um 1800 - 1803

Weitere berühmte Bilder von Goya sind seine beiden „Maya“-Bilder um das Jahr 1800: „Die nackte Maya“ und „Die bekleidete Maya“. Die „Nackte Maya“ ist das erste Gemälde einer nackten Frau – im Gegensatz zu entblößten Heiligen (z.B. Maria), die es in großer Zahl gab. Nacktheit war dem Heiligen und Unberührbaren vorbehalten und Goya war der erste Maler, der eine „Frau“ so malte. „Die nackte Maya“ löst erwartungsgemäß einen Skandal in Madrid aus. Was die Öffentlichkeit noch zusätzlich reizt ist, die Darstellung von Schamhaar an der „Maya“ – dies stellt ein zusätzliche Betonung des „Menschlichen“ und „Unreinen“ dar.

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