Konstruktivismus - Die Grundidee

Konstruktivismus Der Begriff Konstruktivismus leitet sich vom lateinischen „construere“ – „aufbauen, errichten, in Verbindung bringen“ ab. Wenn man in der modernen Kunst vom Konstruktivismus spricht, bezeichnet man damit eine Form der künstlerischen Gestaltung, die sich aus kontrollierten Elementen und bestimmten definierten Beziehungen zusammensetzt. Der Künstler konstruiert ein Bild oder eine Skulptur, wobei die Maßeinheiten, d.h. die Relationen der Elemente exakt vorgegeben sind. Oftmals gingen einem konstruierten Werk wochenlange Planungen und mathematische Berechnungen voraus.

Der Konstruktivismus setzte sich das Ziel, eine Kunst zu schaffen, die den Bedingungen einer wissenschaftlichen und technischen Zeit entspricht und dem in ihr lebenden Menschen ein entsprechendes ästhetisches Erleben vermittelt. Der Konstruktivismus des 20. Jahrhunderts weißt drei Tendenzen auf:

Der propagandistische Konstruktivismus wurde primär vom russischen Konstruktivismus vertreten. Die Impulse des analytischen Konstruktivismus gingen von Bauhaus, De Stijl und der konkreten Malerei aus. Der praktisch-experimentelle Konstruktivismus wirkt noch bis in die Gegenwart und hat viele zeitgenössische Künstler beeinflusst. Die beiden letzten Stadien werden allgemein als Internationaler Konstruktivismus zusammengefasst, um sich vom politisch-national motivierten Russischen Konstruktivismus abzugrenzen.

Der Russische Konstruktivismus

Der (russische) Konstruktivismus, der Voraussetzungen im Kubismus, Futurismus und Kubofuturismus hatte, teilt sich in 2 Hauptzweige: den Utilarismus um Wladimir Jewgrafowitsch Tatlin (russischer Maler, 1885 - 1953) mit der Intention, die Kunst für Architektur, Design, Typographie, Bühnenbilder und Mode zu nutzen und zur Revolution der Gesellschaft einzusetzen und den Suprematismus um Kasimir Malewitsch, der die Kunst gesellschaftlicher Funktionalisierung zugunsten reiner geometrischer Formbestimmung entzog. Er spiegelte als ästhetisch-künstlerisches Element die politischen Konzepte wieder. Die Künstler verstanden sich als offizielle Vertreter der politischen Funktionäre. Ihr Ziel ist es, das kommunistische Gedankengut mit ihrer Kunst ins Volk zu tragen. Dass Kunst als Informationsträger in einem großen Rahmen für die Menschen dienen kann, ist die große Erkenntnis und Leistung, die wir den russischen Konstruktivisten verdanken. In dem Drang einen absolut neuen Staat zu erschaffen tendiert diese Art des Funktionalismus in Richtung Propaganda. Der russische Konstruktivismus versucht ein neues Vokabular zu kreieren, um sich von der Vergangenheit abzugrenzen. „Ingenieure“ nennen sich die konstruktivistischen Künstler und ihre Architektur bezeichnen sie als die „Front der Kunst“. Tatlin spricht vom "Sieg der Maschinenkunst".

Das russische Gegenstück zum Kubismus gründet sich auf die einfache Natur der Volkskunst und den eckigen Formen der russischen Holzpuppen. Diese Richtung, bekannt als Neo- Primitivismus, ist von mehreren Faktoren beeinflusst: Henri Matisse, den Fauvisten, den "luboks"(satirische Holzschnitte), Ikonen, und den Reklamemalern. Michail Fjodorowitsch Larionow (russischer Maler, 1881 - 1964) fügte die Graffitis seiner Zeit - einfache Wandkritzeleien von ungebildeten Soldaten - in seine Kunstwerke ein. Der Eindruck der durch die Textfragmente entsteht ähnelt der Art, wie im Synthetischen Kubismus Wortfragmente benutzt werden.

Der Internationale Konstruktivismus

KonstruktivismusDie Schwerpunkte dieser neuen analytisch - konstruktiven Phase liegt in der räumlichen Gestaltung und in der Architektur. Außerdem sind noch weitere künstlerische Bereiche von dieser neuen Art der formellen und strukturierten Vorgehensweise betroffen. Johannes Itten lehrt seine, den konstruktivistischen Bedürfnissen angepasste, Farbtheorie. Lyonel Feininger und Josef Albers beschäftigen sich mit streng geometrischen Flächenbeziehungen und Farbstufen. Oskar Schlemmer entwickelt eine neue Ästhetik mit seinem figuralen Konstruktivismus. Führend ist Laszlo Moholy-Nagy der sich eingehend mit Technoiden Gestaltungen und Raum-Zeit-Beziehungen auseinandersetzt.

Die Zentren der Internationalen Kunst der letzten Jahrzehnte sind in Europa, Amerika, vor allem Lateinamerika zu finden. Die Künstler beschäftigten sich mit verschiedenen Möglichkeiten Materialen zu verwenden. Im Gegensatz zu den russischen Konstruktivisten, für die sich mit ihren Materialforschungen noch imaginäre und phantastische Welten auftuen, besinnen sich die internationalen Konstruktivisten mehr auf das Material. Mobile Mechanismen, audiovisuelle Installationen und räumliche Konstruktionen dominieren. Diese Entwicklung spiegelt sich in der abstrakten Malerei, die größere Dimensionen annimmt, wieder.

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