Der typische Künstler ...

...im Wandel der Jahrhunderte

Im Wandel der Jahrhunderte bildete sich immer wieder Typen heraus, der als "typisch" für einen Künstler angesehen wurde. Nur was den Künstler im Barock ausmachte, das galt nicht für den Künstler in der Zeit der Industrialisierung. Die einen fühlten sich als Gott, die anderen als Heilsbringer. Gemeinsamkeiten gab es immer wieder. So konnte ein Künstler in seiner Epoche erkannt werden:

  • das auffällige Verhalten des Künstlers

    Zeuxis, ein Künstler der etwa um 400 v. Chr. lebte, trägt auf seiner Kleidung seinen Namen in Goldenen Buchstaben. Sein Konkurrent Parrhasios nannte sich sogar selber "habrodiaiton" stutzerhafter Bonvivant. Der im 15. Jahrhundert lebende Maler Giovanni Antonion Bazzi erhält durch seinen Umgang mit Lustknaben den Beinamen "Sodoma", unter dem er bis heute bekannt ist.

  • Witz und Schlagfertigkeit des Künstlers

    Bereits in der Antike bewährt sich der Künstler in artistischen und rhetorischen Wettkämpfen mit seinem Publikum und anderen Künstlern. So sind bis heute der künstlerische Wettkampf zwischen Apelles und Protogenes bekannt, wobei jeder versuchte den anderen mit einer fein gezeichneten Linie zu übertreffen. Aber auch der Wettstreit zwischen Parrhasios und Zeuxis, bei dem es darum ging, welcher der Künstler eine größere Perfektion darin hatte die Augen des Betrachters zu täuschen. Zeuxis prahlte vor Parrhasios damit Trauben so realistisch darstellen zu können, dass sogar Tauben versuchen würden daran zu picken. Parrhasios bat den Künstler darauf in einen Nebenraum. Als Zeuxis den Vorhang beiseite schieben wollte prallte er auf eine Wand. So gab er sich geschlagen.

  • Der Künstler als Freund der Fürsten

    Parrhasios, der Künstler aus der Antike Griechenlands, nannte sich "Fürst der Künste". Auch Appelles wurde von Alexander dem Großen geehrt, er besuchte ihn in seiner Werkstatt und schenkte ihm sogar seine liebste Konkubine. Kaiser Karl V. war ein großer Bewunderer von Tizian, nach einer Überlieferung soll er sogar einen Pinsel wieder aufgehoben haben, der dem Maler entfallen war. Kaiser Maximilian I. huldigte Albrecht Dürer. Er soll einem Edelmann befohlen haben sich vor den Künstler auf die Erde zu legen, damit dieser ihn als Schemel nutzen könne um ein Bild aufzuhängen.

  • Der Künstler als Gott

    Bis zur Zeit des Humanismus wird nur dem Dichter die Göttliche Eingebung zugestanden. Plato fand dafür den Begriff "enthousiasmós", der den göttlich inspirierten Wahnsinn. Giordano Bruno entwickelte diesen Gedanken weiter. So wurde durch die "Göttlichen Quelle der Schöpfungskraft " der Künstler selber ein "alter Deus", ein anderer Gott. Nun wurde die Natur das Vorbild, das den Künstler zur Nachahmung anregte. Die Begabung war gegeben und benötigte keine Lehrer um ein Talent zu fördern.

  • Die Kindheit des Künstlers und seine Entdeckung

    Aus der Antike gibt es keine Überlieferungen über die Kindheit von Künstlern. Durch die Auffassung der Neuzeit, der Künstler sei der "Andere Gott", wurden Legenden geschrieben. Der Mythos der Götter und Helden der Antike, die von ihren Eltern ausgesetzt waren, von Nymphen oder tierischen Ammen aufgezogen wurden, wurde aufgegriffen. So wachsen verschiedene Künstler in armen Verhältnissen, als Hirtenknaben auf. Giotto, Francisco de Goya, Andrea Sansovino und Domenico Baccafumi geben dafür Beispiel. Der Künstler, in armen Verhältnissen geboren, gleicht dem Jesus in seiner Krippe und wird so noch Gottähnlicher. Er muss seine Berufung gegenüber den unverständlichen Eltern. So wird über Michelangelo berichtet, dass er von seinem Vater Schläge erhielt, da dieser die "Berufung" des Sohnes zum Künstler hasste. Unermüdlich setzt sich der Künstler, als von Natur aus begabter, gegen alle Schwierigkeiten durch.

  • Der weltfremde Künstler

    Ähnlich wie dem Philosophen wird dem Künstler zugeschrieben, dass er sein Alltagswelt vergisst. So gibt es Berichte über Archimedes, der nackt durch Syrakus läuft. Er entdeckte in der Badewanne liegend das spezifische Gewicht entdeckte und sprang vor Freude auf um seine Entdeckung zu berichte… Wer kennt nicht die Berichte über Diogenes und Sokrates, die über das Philosophieren ihr Äußeres vergaßen. Der Maler Protogenes soll in seinem Gartenhaus vom Malen so gefesselt gewesen sein, dass er wohl nicht mitbekam, wie Rhodos inzwischen gestürmt wurde.

  • Der Künstler und die Melancholie

    Aristoteles war der Meinung, dass alle Menschen, die hervorragend in Politik, Philosophie, Dichtung und bildender Kunst sind auch melancholisch wären. Im Mittelalter wird die Melancholie als Laster der Trägheit gleichgesetzt. Der Melancholiker wird als bekümmerter Grübler, der nach der Wahrheit schnüffelt beschrieben. Intellektuelle und Künstler werden gemeinhin zum Melancholiker erklärt.

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