Futurismus - Zeitgeschehen

„Wir stehen auf dem äußersten Vorgebirge der Jahrhunderte! ... Warum sollten wir zurückblicken, wenn wir die geheimnisvollen Tore des Unmöglichen aufbrechen wollen? Zeit und Raum sind gestern gestorben. Wir leben bereits im Absoluten, denn wir haben schon die ewige, allgegenwärtige Geschwindigkeit erschaffen.“

(aus „Das Futuristische Manifest“, 1909)

Das Italien um 1900 wird von den internationalen Avantgardeströmungen verschwindend gering berührt. In Italien gelten seit Jahrhunderten die ästhetischen Wertvorstellungen der klassischen Antike, welche sich in der Gesellschaft wie in der Kunst widerspiegeln. Gegen diese alten Wertvorstellungen und Traditionen propagiert Filippo Tommaso Marinetti mit seinem Manifest und ruft damit den Futurismus ins Leben.

Das Erbe der Futuristen

Italien hat seine letzte Blütenzeit lange hinter sich. Das Maß an Erfolgen und Einfluss, den Italien einst in der Welt besaß, gehört seit langem der Vergangenheit an. Unzufriedenheit herrscht unter dem italienischen Volk, das einst unter dem Ruhm der Vergangenheit lebte und noch zur Zeit der Futuristen daran festhält. Marinetti und seine Mitstreiter wollen nicht in diesem Vergangenheitstraum leben. Sie wollen eine neue Zukunft schreiben, eine Zukunft die die Welt verändert und die Evolution beschleunigt. Die Futuristen wollen eine Zukunft, auf die sie als Italiener stolz sein können. Um dies zu realisieren, fordern die Futuristen sich erst von der Vergangenheit und den alten Vorstellungen zu verabschieden.

Das Ziel der Futuristen ist es die Zukunft experimentell darzustellen. Für da Malerei bedeutet dies, dass das „statische“ Bild aufgelöst wird sollte und durch Bewegung, Gleichzeitigkeit und Dynamik ersetzt wird. Die Künstler passen ihre Kunst an ihr Verständnis der „jetzigen“ Welt an und schauen gleichzeitig in der Zukunft.

Der Futurismus bleibt nicht allein auf die Kunst beschränkt: Die futuristischen Ideen, die sich ausschlaggebend auf das Futuristische Manifest von Marinetti berufen, beeinflussen nachhaltig die Politik. Zu dieser Zeit laufen mit dem Futurismus zusammen politische Strömungen einher, die das Entstehen der „faschistischen“ Idee maßgeblich unterstützen.

Die Schöpfung der Futuristen

Die Futuristen verherrlichen die Moderne, den Krieg und den Massenmenschen. Diese Gedanken, die auch neben den Futuristen noch andere Gesellschaftskreise teilen, ermöglichen es, dass ein Mussolini an der Macht kommen kann, später der Nationalsozialismus und Hitler. Der Faschismus entwickelt sich und vermischt sich mit Antisemitismus, der dann nichts mit der ursprünglichen Idee des Futuristen zu tun hat.

Futurismus

Umberto Boccioni: Elastizität - 1912

Marinetti wird später unter Mussolinis Regime als Kulturminister gewählt. Im Kampf gegen die alten Kunsttraditionen lassen die Künstler des Futurismus Bibliotheken, Museen und anderen Kunsteinrichtungen zerstören. Sie sind die Erste Kunstbewegung die sich auf die Straße begibt, sich zu den Volks-Massen bekennt und öffentlich gegen die Bürgerlichkeit protestiert.

Die Futuristen veranstalteten regelmäßig „Futuristische Abende“, die sehr schnell Aufmerksamkeit aus sich ziehen. Ab 1912 werden die italienischen Futuristen im übrigen Europa bekannt. Den ersten Erfolg im Ausland erreichen sie mit der Wanderausstellung, die ihre erfolgreiche Urausführung in Mailand 1911 erlebt. Die Futuristen beeinflussen andere Kunstbewegungen in Europe zu dieser Zeit – besonders hier zu nennen sind: der Expressionismus , Konstruktivismus, Dada und Surrealismus.

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