Kunst lernen, leben, lehren

Interesse an der Kunst zu zeigen, kann ein Hobby sein. Kunst kann aber auch als Lernfach, als Lebenseinstellung oder als Lehre begriffen werden, die vermittelt werden soll. Welche verschiedenen Herangehensweisen es gibt und wie facettenreich sich die Kunst aus dem jeweiligen Blickwinkel präsentiert, verrät dieser Beitrag.

Kunst als Lernfach

Kunst ist ein Schulfach, das die Schülerschaft ebenso spalten kann wie Mathematik, Deutsch oder Englisch. Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied, denn die Kunst lässt sich nur schwer mit Noten messen. Doch inwiefern passt das Schulfach dann eigentlich in die Bildungslandschaft und in die Gesellschaft? Durch die zunehmende Fokussierung auf die Nutz- und Messbarkeit von schulischen Inhalten und deren Bewertung hat die Kunst einen schweren Stand. Ästhetik zu messen, ist ein beinahe unmögliches Unterfangen. Der Ausweg aus dem Dilemma scheint zu sein, die Kunst theoretisch zu beleuchten, wie beispielsweise in diesem Referat zum abstrakten Expressionismus. Bewertbar ist, was belegt, dass sich Schüler ein Thema selbst erarbeiten können, wie beispielsweise in diesem Fall den Expressionismus.

Abbildung 1: Kunst als Schulfach passt nur schwerlich zur Vorstellung, dass Leistung und Noten messbar sein müssen. Gerade in puncto Ästhetik und Kunst ist das nicht möglich.

Doch ist das Kunst? Mit künstlerischer Bildung, also einer praxisnahen Ausbildung von künstlerischen Fähigkeiten hat die Anfertigung eines Referats natürlich wenig zu tun. Die Transferleistung, die allerdings im klassischen Kunstunterricht nicht abgefragt wird, und die beispielsweise zeigen würde, dass aus der Theorie zum Expressionismus ein Werk werden kann im Stil von Wassiliy Kandinsky, bleibt aus. Zumindest wird sie im regulären Schulunterricht ausgeblendet – und erhält vor allem dort Raum und Zeit, wo die Kunst an einer speziellen Schule in den Fokus rückt oder als Leistungsfach am Gymnasium einen hohen Stellenwert genießt.

Kunst als Lehrfach

Wer bereits zu Schulzeiten die Chance hatte, Kunst als Lernfach theoretisch und praktisch zu erfahren, entscheidet sich meist nach dem Abschluss des ersten Bildungswegs für einen beruflichen Weg mit oder ohne Kunst. Berufliche Wege ohne künstlerische Affinität müssen nicht bedeuten, dass die Kunst als solche ihren Stellenwert einbüßt. Wohl aber zeigt sich in diesen Fällen, dass die Kunst dann meist ganz bewusst als eine Passion, eine private Leidenschaft gefeiert wird (vgl. „Kunst als Lebenseinstellung“, siehe unten) – beruflich jedoch werden aus wirtschaftlichen oder persönlichen Gründen ganz andere Wege eingeschlagen.

All jene, die sich auch beruflich nicht von der Kunst trennen möchte, streben häufig eine Ausbildung oder einen Studiengang an, der es ermöglichen soll, Kunst und Job unter einen Hut zu bekommen. Dabei gibt es ganz verschiedene Ansätze.

  • Wer eine Ausbildung im künstlerischen Bereich anstrebt, der muss kreativ sein bei der Ausdeutung dessen, was die Arbeitsagentur zum Thema Kunst an Berufen liefert. Angeboten werden u.a. Duale Ausbildungen zum Drechsler, Edelsteinfasser/-schleifer, Figurenkeramformer, Glasbläser, Glas- und Porzellanmaler, Glasveredler, Gold-/Silberschmied, Keramiker, Holzbildhauer oder Vergolder. Die Ausbildungsstellen sind rar, Übernahmechancen ebenso.

Abbildung 2: Die Glasbläserei ist ein Ausbildungsberuf, den es sogar mit unterschiedlichen Schwerpunkten (Christbaumschmuck, Glasgestaltung, Kunstaugen) gibt. Allerdings handelt es sich bei dieser Kunstform auch um eine Spezialität, die der Azubi mögen muss und für die auch entsprechende künstlerische Fähigkeiten mitzubringen sind.

  • Wer ein Studium im Bereich Kunst absolvieren möchte, wird entweder ein Lehramtsstudium absolvieren oder eine andere berufliche Anwendung der künstlerischen Tätigkeit mithilfe eines verwandten Studiengangs anstreben. Kunst ist Thema in vielen Studiengängen, beispielsweise in der Architektur, in den Studiengängen zu Design und Gestaltung, im Geschichts-Studium, in Studiengängen zu Erziehung und Pädagogik, in Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaften und in sozialen Studiengängen. Da die wenigsten Studiengänge in einem künstlerischen Beruf münden, lässt sich beobachten, dass Studenten an dieser Stelle zweigleisig unterwegs sind. Zum einen wird ein künstlerisch anmutendes Studium verfolgt, das den Weg in einen Beruf bahnt (z.B. mit einem Design-Studium zum Mediendesigner), zum anderen wird versucht die eigene künstlerische Profession auszuleben – um im Idealfall mit einer eigenen Ausstellung oder ersten eigenen Verkäufen die eigene Karriere als Künstler anzukurbeln.

Kunst als Lebenseinstellung

Wer für sich entscheidet, die Kunst als Lebenseinstellung zu leben, ohne sie nutzbar machen zu wollen, kann die Ästhetik der Kunst wahrlich genießen. Kunst wird zur Freizeitgestaltung, beispielsweise in dem Museen besucht, private Kurse absolviert oder einfach nur Kunst gefertigt wird. Nicht selten fungiert Kunst als Therapeut, um dem Stress des Alltags beim Malen, Zeichnen, Handarbeiten oder Handwerken zu entfliehen oder als befreiter, unangestrengter Ausgleich zur körperlichen oder geistigen Höchstleistung, die den Alltag im Berufsleben bestimmt.

Abbildung 3: Wer Kunst leben möchte, der beschließt häufig, diese Passion vornehmlich privat zu verfolgen.

Ein Blick in die Künstlerkreise zeigt, dass es auch hier Künstlergruppen gibt, die – ähnlich wie Anhänger desselben Musikgeschmacks – zusammenkommen, um ihre Lust auf Kunst zu befriedigen. Wie sich das äußern kann, ist heutzutage höchst diffizil. Verbale Kunst zeigt sich bei Poetry Slams, die vielerorts als Bereicherung des kulturellen Lebens begriffen und auch gefeiert werden. Street Art ist eine weitere Form von gelebter Kunst, die sich sogar öffentlich zeigen möchte und dies auch tut, auch wenn im Bereich von Graffiti-Sprayern die Grenze zwischen Legalität und Verbrechen auf einem meist recht schmalen Grat verläuft.

 

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