Wie ein Historienbild aus der Reichsgründung eine nationale Erinnerung formt
Ein Kaiser auf einem erhöhten Podest, dicht gedrängte Fürsten und Offiziere, ein weiß gekleideter Bismarck im Zentrum: Anton von Werners Gemälde scheint einen entscheidenden Augenblick der deutschen Geschichte unmittelbar vor Augen zu führen. Die genaue Ordnung der Figuren und die feierliche Umgebung lassen das Geschehen geschlossen, würdevoll und nahezu selbstverständlich erscheinen.
Doch das Bild ist keine gemalte Momentaufnahme vom 18. Januar 1871. Die heute erhaltene Friedrichsruher Fassung entstand erst 1885 und damit vierzehn Jahre nach der Kaiserproklamation. Werner veränderte mehrere Einzelheiten, rückte bestimmte Personen stärker in den Mittelpunkt und fügte sogar einen Mann hinzu, der bei der Zeremonie nicht anwesend gewesen war. Gerade deshalb ist das Gemälde besonders aufschlussreich: Es zeigt nicht nur ein historisches Ereignis, sondern auch, wie Erinnerung gestaltet und politische Bedeutung nachträglich erzeugt werden kann.
Das Werk auf einen Blick
- Künstler: Anton von Werner (1843–1915)
- Titel: Die Proklamierung des deutschen Kaiserreiches (18. Januar 1871)
- Fassung: dritte Fassung, auch Friedrichsruher Fassung genannt
- Entstehungsjahr: 1885
- Dargestelltes Ereignis: Kaiserproklamation im Spiegelsaal von Versailles am 18. Januar 1871
- Technik: Öl auf Leinwand
- Maße: 167 × 202 cm
- Gattung: Historienmalerei
- Aufbewahrungsort: Bismarck-Museum Friedrichsruh, Otto-von-Bismarck-Stiftung
- Inventarnummer: in den öffentlich zugänglichen Bestandsangaben nicht genannt
Die Angaben zu Werkfassung, Auftrag und Aufbewahrungsort folgen der Otto-von-Bismarck-Stiftung und German History in Documents and Images.
Kurz erklärt
Anton von Werner stellt die Gründung des Deutschen Kaiserreiches als feierliche Gemeinschaft von Kaiser, Fürsten, Militärs und politischen Führungspersonen dar. Die 1885 entstandene Fassung war ein Geburtstagsgeschenk der preußischen Königsfamilie an Otto von Bismarck. Sie sollte daher nicht nur an das Ereignis von 1871 erinnern, sondern zugleich Bismarcks Rolle als Reichsgründer hervorheben. Das Gemälde dokumentiert Geschichte nicht neutral: Es ordnet sie aus der Perspektive seiner Auftraggeber neu.
Ein Reich wird im Spiegelsaal sichtbar
Im oberen linken Bereich des Gemäldes erhebt sich ein mehrstufiges Podest. Dort steht der preußische König Wilhelm I., umgeben von deutschen Fürsten. Rechts von ihm hebt Großherzog Friedrich I. von Baden den Arm. Diese Geste verweist auf das Hoch, das er während der Zeremonie auf „Kaiser Wilhelm“ ausbrachte.
Unterhalb des Podestes haben sich zahlreiche Offiziere und weitere Würdenträger versammelt. Viele von ihnen sind im Profil oder von hinten dargestellt. Ihre Körper, Blicke und Gesten richten sich zur erhöhten Gruppe. Helme, Orden, Uniformen und Säbel prägen die Menschenmenge. Die vergoldete Architektur und die hohen Spiegelbögen des Versailler Spiegelsaals bilden den festlichen Rahmen.
Nahe der Bildmitte fällt Otto von Bismarck sofort auf. Während die meisten Männer dunkle Uniformen tragen, erscheint er in einem hellen, fast weißen Kürassierrock. Neben ihm stehen führende Militärs wie Helmuth von Moltke und Albrecht von Roon. Der Maler verteilt die beteiligten Personen nicht gleichmäßig, sondern bildet mehrere deutlich erkennbare Gruppen.
Eine Gemeinschaft ohne Bürgerinnen und Bürger
Zu sehen sind ausschließlich Männer aus den politischen, fürstlichen und militärischen Eliten. Die Bevölkerung des neu gegründeten Reiches bleibt ebenso unsichtbar wie Frauen, Arbeiter, politische Oppositionelle oder Angehörige gesellschaftlicher und ethnischer Minderheiten. Auch die französische Perspektive kommt nicht vor, obwohl die Zeremonie während des Deutsch-Französischen Krieges im Schloss Versailles stattfand und Paris zu diesem Zeitpunkt von deutschen Truppen belagert wurde.
Diese Abwesenheiten sind zunächst eine sachliche Beobachtung. Für die Deutung werden sie bedeutsam, weil jedes Bild einer Gemeinschaft zugleich auswählt, wer diese Gemeinschaft vertreten darf. Werners Gemälde lässt das Deutsche Reich vor allem als Werk der Fürsten, der Armee und Bismarcks erscheinen. Nation wird hier nicht als offene Gemeinschaft gleichberechtigter Bürger dargestellt, sondern als hierarchisch geordneter Staat.
Wie Bildaufbau und Farbe politische Bedeutung erzeugen
Die Komposition ist auf das Podest ausgerichtet. Stufen, Körperhaltungen und Blickrichtungen führen von der Menge zu Wilhelm I. Die räumliche Erhöhung übersetzt den politischen Rang des Kaisers unmittelbar in eine sichtbare Ordnung: Wer oben steht, besitzt die größte symbolische Autorität.
Gleichzeitig liegt Wilhelm I. nicht allein im optischen Zentrum. Die helle Uniform Bismarcks zieht den Blick in den unteren Mittelgrund. Dadurch entstehen zwei miteinander verbundene Schwerpunkte. Der Kaiser verkörpert die neue staatliche Spitze, während Bismarck als politischer Gestalter der Reichsgründung hervorgehoben wird.
Bismarcks weiße Uniform als Blickfang
Die helle Uniform ist keine nebensächliche Einzelheit. Bismarck trug sie bei der Zeremonie von 1871 nicht. Werner wählte sie dennoch, weil sie den Reichskanzler aus der dunkleren Umgebung herauslöst. Auch den Orden Pour le Mérite, den Bismarck auf dem Gemälde trägt, erhielt er erst 1884.
Farbe dient hier also nicht nur der naturgetreuen Wiedergabe. Sie lenkt Aufmerksamkeit und verteilt Bedeutung. Bismarck muss nicht auf dem Podest stehen, um als Hauptperson zu erscheinen. Seine Kleidung verschafft ihm eine optische Sonderstellung innerhalb der versammelten Männer.
Nähe zur Menge und Distanz zur Macht
Der Betrachter blickt hinter beziehungsweise zwischen den versammelten Offizieren in Richtung des Podestes. Dadurch entsteht der Eindruck, dem Ereignis beizuwohnen. Zugleich bleibt der Zugang klar geregelt: Man schaut aus dem Bereich der militärischen Gemeinschaft auf die politische Führung.
Die dicht gefüllte untere Bildhälfte vermittelt Geschlossenheit. Fast jede Figur ist in die gemeinsame Blick- und Bewegungsrichtung eingebunden. Offener Widerspruch oder Unsicherheit werden nicht sichtbar. Der Bildaufbau verwandelt eine politisch komplizierte Reichsgründung in einen Augenblick scheinbar einhelliger Zustimmung.
Auch der Spiegelsaal trägt zur Wirkung bei. Seine prunkvolle Architektur verleiht der Zeremonie Größe und historische Würde. Gleichzeitig war Versailles kein neutraler Ort. Das neue Reich wurde im Machtzentrum des militärisch besiegten Frankreichs ausgerufen. Der Raum verbindet daher nationale Selbstfeier mit dem Triumph über einen Kriegsgegner.
Wie aus einem Ereignis ein nationales Erinnerungsbild wird
Das Deutsche Kaiserreich war staatsrechtlich bereits am 1. Januar 1871 entstanden. Die Zeremonie vom 18. Januar besaß vor allem symbolische Bedeutung. Mit der Wahl des Datums knüpfte man bewusst an die Krönung des ersten preußischen Königs am 18. Januar 1701 an. Die Reichsgründung erschien dadurch als Fortsetzung preußischer Geschichte. Diese historische Einordnung erläutert auch das Deutsche Historische Museum.
Anton von Werner war bei der Kaiserproklamation anwesend und fertigte Studien der beteiligten Personen an. Seine Augenzeugenschaft verlieh seinen späteren Darstellungen besondere Glaubwürdigkeit. Trotzdem entstand auch seine erste große Gemäldefassung erst Jahre nach dem Ereignis. Werner malte daher nicht einfach das, was er in einem einzigen Augenblick gesehen hatte. Er entwickelte eine geordnete Geschichtsszene, in der zahlreiche Porträts, politische Erwartungen und Wünsche der Auftraggeber zusammenkamen.
Drei Fassungen, unterschiedliche Erinnerungen
Die erste große Fassung wurde 1877 für das Berliner Schloss vollendet. Eine zweite Fassung entstand 1882/83 für die Ruhmeshalle im Berliner Zeughaus. Beide Werke gingen im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg verloren. Die erhaltene dritte Fassung bestellte die preußische Königsfamilie im Februar 1885 als Geschenk zu Bismarcks 70. Geburtstag am 1. April.
Dieser Anlass erklärt, warum Bismarck in der Friedrichsruher Fassung eine besonders starke Stellung erhält. Werner zeigte mehrere Hauptpersonen so, wie sie in den 1880er-Jahren aussahen, nicht in ihrem Alter von 1871. Helmuth von Moltke rückte weiter nach vorn. Albrecht von Roon wurde in die Gruppe aufgenommen, obwohl er bei der Kaiserproklamation wegen einer Erkrankung gefehlt hatte.
Solche Veränderungen machen das Gemälde nicht wertlos. Im Gegenteil: Sie zeigen, dass Historienbilder häufig zwei Zeiten zugleich darstellen. Das sichtbare Ereignis gehört zum Jahr 1871, die politische Perspektive des Bildes dagegen zum Jahr 1885. Die Vergangenheit wird so gestaltet, dass sie den Rang und die Machtverhältnisse der späteren Gegenwart bestätigt.
Warum das Werk zum Weg in die Moderne gehört
Anton von Werners akademische Historienmalerei wirkt auf den ersten Blick weniger modern als die Werke der Impressionisten oder Expressionisten. Für das Verständnis der Moderne ist sie dennoch wichtig. Moderne Nationalstaaten brauchten gemeinsame Geschichten, öffentlich erkennbare Symbole und Bilder, in denen sich politische Gemeinschaft vorstellen ließ.
Gemälde wie die Kaiserproklamation erfüllten diese Aufgabe. Sie wurden in repräsentativen Gebäuden gezeigt, als Druckgrafiken verbreitet und später in Geschichtsbüchern vielfach reproduziert. So konnte eine bestimmte Deutung der Reichsgründung weit über den ursprünglichen Ausstellungsort hinauswirken. Das Historienbild wurde Teil einer modernen politischen Öffentlichkeit.
Dabei zeigt sich auch die problematische Seite nationaler Gemeinschaft. Das Bild erzeugt ein starkes „Wir“, doch dieses „Wir“ bleibt eng begrenzt. Es ist männlich, militärisch, monarchisch und von preußischer Macht geprägt. Wer nicht in dieses Bild passt, wird nicht widerlegt oder bekämpft – er erscheint schlicht nicht. Gerade deshalb hilft das Werk zu verstehen, wie Zugehörigkeit durch Sichtbarkeit und Ausgrenzung zugleich hergestellt werden kann.
Praktische Bildinterpretation: So kannst du das Gemälde untersuchen
Bei einem Historienbild solltest du zunächst zwischen drei Ebenen unterscheiden: dem historischen Ereignis, der sichtbaren Darstellung und der späteren Funktion des Bildes. Diese Ebenen hängen zusammen, sind aber nicht identisch.
1. Beginne mit einer möglichst neutralen Beschreibung
Notiere zunächst nur, was du sehen kannst: einen prunkvollen Innenraum, ein erhöhtes Podest, eine Gruppe von Fürsten, zahlreiche Offiziere und einen hell gekleideten Mann nahe der Mitte. Vermeide an diesem Punkt Begriffe wie „Einigkeit“, „Triumph“ oder „Nationalstolz“. Sie gehören bereits zur Deutung.
2. Untersuche die sichtbare Rangordnung
Frage anschließend, welche Personen erhöht stehen, wer den meisten Raum erhält und wohin die Blicke der Figuren führen. Achte besonders auf Wilhelm I. und Bismarck. Der eine wird durch seine Position auf dem Podest, der andere durch seine helle Kleidung hervorgehoben.
3. Suche nach Mitteln der Gemeinschaftsbildung
Die ähnliche Kleidung vieler Männer, ihre enge Anordnung und ihre gemeinsame Ausrichtung lassen die Gruppe geschlossen wirken. Prüfe, ob einzelne Figuren aus dieser Ordnung ausbrechen oder ob Widerspruch sichtbar wird. Danach kannst du überlegen, welches Bild politischer Gemeinschaft dadurch entsteht.
4. Vergleiche Darstellung und historische Informationen
Nun wird der Entstehungskontext wichtig. Das Bild entstand 1885, Bismarcks Uniform entspricht nicht dem Jahr 1871 und Roon war bei der Zeremonie nicht anwesend. Aus diesem Vergleich ergibt sich eine zentrale Frage: Warum verändert ein Künstler ein Ereignis, obwohl er selbst Augenzeuge war?
5. Frage nach den Unsichtbaren
Überlege schließlich, welche Gruppen nicht dargestellt sind. Wer gehört in diesem Gemälde sichtbar zur Nation, und wer bleibt außerhalb des Bildes? Diese Frage erweitert die Analyse von der dargestellten Feier zu den politischen Vorstellungen, die in ihr wirksam werden.
Merke
Eine mögliche Deutungshypothese
Eine begründete Deutung könnte lauten: Anton von Werner stellt die Reichsgründung als geschlossene, hierarchisch geordnete Gemeinschaft unter der Führung des Kaisers und Bismarcks dar. Die Komposition, die militärische Prägung der Menge und Bismarcks helle Uniform verwandeln das Ereignis von 1871 in ein politisches Erinnerungsbild, das die Machtordnung von 1885 rückwirkend legitimiert.
Diese Deutung ist keine willkürliche Behauptung. Sie stützt sich auf sichtbare Bildelemente und auf den nachweisbaren Unterschied zwischen dem historischen Ereignis und seiner späteren Darstellung. Andere Deutungen sind möglich, sollten aber ebenso genau am Bild begründet werden.
Kurz zusammengefasst
- Anton von Werner zeigt die Kaiserproklamation vom 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles.
- Die erhaltene Friedrichsruher Fassung entstand erst 1885 als Geburtstagsgeschenk für Otto von Bismarck.
- Wilhelm I. wird durch das Podest, Bismarck durch seine helle Uniform hervorgehoben.
- Mehrere Details entsprechen nicht der Situation von 1871: Bismarcks Kleidung und Orden stammen aus späterer Zeit, Roon war bei der Zeremonie nicht anwesend.
- Das Gemälde zeigt das neue Reich als Gemeinschaft von Kaiser, Fürsten, Militärs und politischen Führungspersonen.
- Bürgerinnen und Bürger, politische Gegner und die französische Perspektive bleiben unsichtbar.
- Das Werk veranschaulicht, wie Historienmalerei Vergangenheit ordnet und nationale Erinnerung mitgestaltet.
Kurz gefragt zu "Die Proklamierung des deutschen Kaiserreiches"
Was zeigt Anton von Werners „Kaiserproklamation“?
Das Gemälde zeigt die feierliche Würdigung Wilhelms I. als Deutscher Kaiser am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles. Auf dem Podest stehen der Kaiser und deutsche Fürsten; davor versammeln sich Bismarck, führende Militärs und zahlreiche Offiziere.
Entstand das Gemälde bereits 1871?
Nein. Die hier behandelte Friedrichsruher Fassung malte Werner 1885, also vierzehn Jahre nach dem Ereignis. Zuvor hatte er bereits andere Fassungen geschaffen. Werner war allerdings bei der Kaiserproklamation anwesend und konnte für seine späteren Bilder auf eigene Beobachtungen und Porträtstudien zurückgreifen.
Ist das Bild eine zuverlässige historische Quelle?
Ja – wenn du berücksichtigst, worüber es Auskunft gibt. Das Gemälde zeigt nicht jedes Detail der Zeremonie zuverlässig. Sehr deutlich dokumentiert es jedoch, wie die Reichsgründung 1885 erinnert und politisch gedeutet werden sollte. Es ist deshalb zugleich eine Quelle zum Ereignis von 1871 und zur Erinnerungskultur der 1880er-Jahre.
Warum trägt Bismarck eine weiße Uniform?
Die helle Kürassieruniform hebt Bismarck deutlich aus der Menge hervor. Bei der Kaiserproklamation trug er diese Uniform jedoch nicht. Werner setzte die Farbe als Gestaltungsmittel ein und passte Bismarcks Erscheinung an dessen gewachsene politische Bedeutung an.
Warum ist Albrecht von Roon dargestellt, obwohl er nicht anwesend war?
Roon gehörte als preußischer Kriegsminister zum engeren politischen und militärischen Umfeld Bismarcks. Seine Aufnahme stärkte die Vorstellung, das Reich sei durch das gemeinsame Handeln einiger herausragender Männer gegründet worden. Der Wunsch nach einem überzeugenden Erinnerungsbild war hier wichtiger als die genaue Wiedergabe der Teilnehmerliste.
Wo befindet sich das Gemälde heute?
Die Friedrichsruher Fassung wird im Bismarck-Museum in Friedrichsruh aufbewahrt. Dort gehört sie zu einer Sammlung, die sich mit Otto von Bismarcks Leben, seiner Politik und dem späteren Kult um seine Person beschäftigt.
Erfahre mehr
Der Hauptartikel „Nation, Geschichte und Zugehörigkeit: Kunst stiftet Gemeinschaft“ zeigt, wie Historienbilder, Landschaften, Symbole, Museen und Denkmäler gemeinsame Vorstellungen von Vergangenheit und Zugehörigkeit hervorbringen. Anton von Werners Gemälde macht dabei sichtbar, wie ein politisches Ereignis zum nationalen Erinnerungsbild werden kann.
Die Werkseite „Jacques-Louis David – Der Ballhausschwur“ bietet einen aufschlussreichen Vergleich. Während David die Nation als politisch handelnde Versammlung entwirft, ordnet Werner sie um Kaiser, Fürsten, Militär und Reichskanzler. Beide Werke zeigen, dass Bilder ein gesellschaftliches „Wir“ nicht nur wiedergeben, sondern aktiv gestalten.
Wenn du selbst genauer untersuchen möchtest, wie Beschreibung, Bildanalyse und Deutung zusammenwirken, hilft dir „Bildinterpretation: Bilder und Gemälde besser verstehen“ beim schrittweisen Einstieg.
Die Otto-von-Bismarck-Stiftung ordnet die Reichsgründung, die Zeremonie in Versailles und ihre politischen Widersprüche historisch ein. Dabei wird auch die Friedrichsruher Fassung des Gemäldes vorgestellt.
German History in Documents and Images erklärt besonders anschaulich, welche Personen und Details Werner gegenüber der historischen Situation veränderte und wie der Auftrag als Geschenk für Bismarck die Darstellung beeinflusste.
Das Deutsche Historische Museum bewahrt eine Tuschfederzeichnung Werners zur Kaiserproklamation. Der Vergleich mit dieser früheren Darstellung zeigt, wie der Künstler das Ereignis in verschiedenen Medien und Fassungen immer wieder neu ordnete.
Weitere kulturgeschichtliche Zusammenhänge findest du in der Rubrik „Der Weg in die Moderne“. Dort geht es darum, wie politische Umbrüche, gesellschaftliche Veränderungen und neue Formen der Öffentlichkeit die Kunst der Moderne vorbereiteten.