Schiffbrüchige auf einem notdürftig gebauten Floß winken einem fernen Rettungsschiff zu, Gemälde von Théodore Géricault, 1818 bis 1819.
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Théodore Géricault, „Das Floß der Medusa“, 1818–1819, Öl auf Leinwand, Musée du Louvre, Paris. Das monumentale Gemälde macht einen aktuellen politischen Skandal zum Gegenstand der Historienmalerei und richtet den Blick auf die Opfer.

Das zweite Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts beginnt mit Napoleons größter Machtausdehnung und endet in einer politisch neu geordneten Welt. Der gescheiterte Russlandfeldzug, die Völkerschlacht bei Leipzig und die Niederlage bei Waterloo bringen das französische Kaisertum zu Fall. Der Wiener Kongress stellt die alten Monarchien wieder her und versucht, die revolutionären Bewegungen Europas einzudämmen.

Auch die Kunst verändert sich. Sie dient weiterhin der politischen Repräsentation, beginnt aber zugleich, die Schattenseiten ihrer Gegenwart sichtbar zu machen. Francisco de Goya und Théodore Géricault wenden sich den Opfern von Krieg, Gewalt und politischem Versagen zu. Das monumentale Historienbild erzählt nun nicht mehr ausschließlich von Helden, Siegen und Herrschern.

Caspar David Friedrich und William Turner entwickeln die romantische Landschaft weiter. Bei ihnen wird die Natur zum Schauplatz innerer Erfahrungen. Nebel, Schnee, Sturm und unermessliche Weite lassen den Menschen klein und verletzlich erscheinen. Gleichzeitig verändern Museen, archäologische Entdeckungen und erste fotografische Versuche den Umgang mit Bildern und Kunstwerken.Fondation Napoléon.

Zwischen napoleonischem Krieg und romantischer Innerlichkeit

1811 – Hoffnung in der Winterlandschaft

Caspar David Friedrich malt vermutlich 1811 seine „Winterlandschaft“. Ein Mann hat seine Krücken in den Schnee geworfen und betet vor einem kleinen Kruzifix. In der Ferne erhebt sich über den Tannen die Silhouette einer gotischen Kirche.

Friedrich verbindet die beobachtete Natur mit einer religiösen und inneren Erfahrung. Der Weg aus der winterlichen Kälte zum lichtumgebenen Bauwerk kann als Bild der Hoffnung und Erlösung verstanden werden. Die Landschaft erzählt keine eindeutige Geschichte, sondern lädt den Betrachter dazu ein, über das Verhältnis von menschlicher Verletzlichkeit, Natur und Glauben nachzudenken. National Gallery London.

Jean-Auguste-Dominique Ingres vollendet in Rom das monumentale Gemälde „Jupiter und Thetis“. Der mächtige, streng frontal dargestellte Gott und die geschmeidig zu ihm aufblickende Thetis bilden einen auffälligen Gegensatz. Ingres verändert Proportionen und Körperformen zugunsten einer klaren, fließenden Linie. Damit entwickelt er jene eigenwillige Formensprache weiter, die später zu einem Kennzeichen seines Werks wird. Musée Granet.

1812 – Ein Heer verschwindet im Sturm

Im Juni beginnt Napoleon seinen Russlandfeldzug. Die Grande Armée dringt weit in das Land vor, findet jedoch weder den erwarteten schnellen Sieg noch ausreichende Versorgung. Hunger, Krankheiten, Kämpfe und der einsetzende Winter machen den Rückzug zu einer Katastrophe. Fondation Napoléon.

Im selben Jahr zeigt William Turner in der Royal Academy sein Gemälde „Schneesturm: Hannibal und sein Heer überqueren die Alpen“. Der antike Feldherr und seine Soldaten sind in der gewaltigen Landschaft kaum zu erkennen. Ein dunkler Sturm wälzt sich über das Gebirge und droht, Menschen und Tiere zu verschlingen.

Turner behandelt zwar ein historisches Ereignis, doch die Natur ist die eigentliche Hauptfigur. Militärische Größe verliert angesichts des Sturms ihre Bedeutung. Das Gemälde wird bereits in der Royal Academy gezeigt, bevor Napoleon im Juni seinen Russlandfeldzug beginnt. In der historischen Rückschau wirkt das von Naturgewalten bedrohte Heer dennoch wie eine eindringliche Parallele zur späteren Katastrophe der Grande Armée. Tate.

1813 – Kunst wird zum nationalen Symbol

Nach Napoleons Niederlage in Russland schließen sich Preußen und weitere Staaten dem Kampf gegen Frankreich an. Vom 16. bis zum 19. Oktober findet die Völkerschlacht bei Leipzig statt. Die Niederlage zwingt Napoleon zum Rückzug aus großen Teilen Deutschlands. Deutsches Historisches Museum.

Karl Friedrich Schinkel gestaltet im Auftrag Friedrich Wilhelms III. die endgültige Form des Eisernen Kreuzes. Die aus schwarzem Eisen gefertigte Auszeichnung ist bewusst schlicht gehalten. Ungewöhnlich für ihre Zeit ist, dass sie nicht nur hohen Offizieren, sondern auch einfachen Soldaten verliehen werden kann. Sie entwickelt sich zu einem der bekanntesten Symbole der Befreiungskriege. Stadtmuseum Berlin.

Schinkel malt außerdem den „Gotischen Dom am Wasser“. Die mächtige Kathedrale ist kein Abbild eines tatsächlich vorhandenen Bauwerks, sondern eine architektonische Vision. Gotik, Landschaft und Abendlicht verbinden sich zu einem Bild gemeinsamer geistiger und nationaler Hoffnungen.

Die romantische Begeisterung für das Mittelalter ist damit nicht nur eine Frage des Geschmacks. Gotische Architektur wird zum Gegenbild der napoleonischen Herrschaft und zum Sinnbild einer ersehnten kulturellen Gemeinschaft. Staatliche Museen zu Berlin.

1814 – Goya zeigt die Opfer

Im Frühjahr 1814 erreichen die verbündeten Truppen Paris. Napoleon dankt ab und wird auf die Insel Elba verbannt. Ludwig XVIII. kehrt als König nach Frankreich zurück. Im September beginnt der Wiener Kongress, auf dem die europäischen Mächte über die politische Ordnung nach Napoleon verhandeln. Fondation Napoléon.

In Spanien erhält Francisco de Goya den Auftrag, die Ereignisse des Madrider Aufstands von 1808 festzuhalten. Es entstehen „Der 2. Mai 1808“ und „Der 3. Mai 1808“ – zwei Gemälde, die grundsätzlich unterschiedliche Momente zeigen.

Im ersten Bild geraten Menschen und Pferde in einen kaum überschaubaren Kampf. Das zweite zeigt die nächtliche Erschießung spanischer Aufständischer. Ein Mann im weißen Hemd hebt angesichts der auf ihn gerichteten Gewehre die Arme. Die Soldaten bleiben dagegen eine anonyme, geschlossene Masse.

Goya verzichtet auf die traditionelle Verherrlichung militärischer Tapferkeit. Er zeigt Angst, Tod und die Ausweglosigkeit der Opfer. Der Krieg erscheint nicht mehr als Bühne großer Männer, sondern als Gewalt gegen den einzelnen Menschen. Museo del Prado.

Ingres malt im selben Jahr „Die Große Odaliske“. Der lang gestreckte Rücken, die verdrehte Haltung und die anatomisch kaum mögliche Körperform werden später häufig kritisiert. Doch Ingres geht es nicht um naturgetreue Anatomie. Er ordnet den Körper der geschwungenen Linie, der glatten Oberfläche und dem sinnlichen Gesamteindruck unter.Musée du Louvre.

Auch die 1806 nach Paris gebrachte Quadriga des Brandenburger Tors kehrt 1814 nach Berlin zurück. Schinkel ergänzt sie um das Eiserne Kreuz und den preußischen Adler. Aus der ursprünglichen Friedensbringerin wird nun eine Siegesgöttin – ein anschauliches Beispiel dafür, wie politische Ereignisse die Bedeutung eines Kunstwerks verändern können. Landesdenkmalamt Berlin.

Restauration, Naturgewalt und ein neues Bildgedächtnis

1815 – Waterloo und Tambora

Napoleon verlässt im Frühjahr Elba und übernimmt für hundert Tage erneut die Herrschaft in Frankreich. Am 18. Juni wird seine Armee bei Waterloo von den verbündeten Truppen unter Wellington und Blücher besiegt. Napoleon dankt endgültig ab und wird nach St. Helena verbannt. Deutsches Historisches Museum.

Der Wiener Kongress schafft unterdessen eine politische Ordnung, die das Gleichgewicht der europäischen Großmächte sichern soll. In Deutschland entsteht der Deutsche Bund. Viele Hoffnungen auf nationale Einheit und politische Mitbestimmung bleiben unerfüllt. Deutsches Historisches Museum.

Im April bricht auf der indonesischen Insel Sumbawa der Vulkan Tambora aus. Gewaltige Mengen von Asche und Schwefelverbindungen gelangen in die Atmosphäre. Die klimatischen Folgen werden Europa und Nordamerika vor allem im folgenden Jahr treffen. Smithsonian Institution.

Für die Kultur beginnt eine Zeit der Restauration. Die zurückgekehrten Monarchien fördern erneut höfische und religiöse Kunst, während liberale und nationale Ideen zunehmend überwacht werden. Künstler bewegen sich zwischen offiziellen Aufträgen, Zensur und dem Wunsch nach persönlicher Unabhängigkeit. Deutsches Historisches Museum.

1816 – Das Jahr ohne Sommer

Die Folgen des Tambora-Ausbruchs führen 1816 in Teilen Europas und Nordamerikas zu ungewöhnlich niedrigen Temperaturen, starken Niederschlägen und Ernteausfällen. Das Jahr geht als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte ein. NOAA.

Die unruhige Witterung prägt auch die kulturelle Atmosphäre. Dunkle Himmel, Naturgewalten, Isolation und existenzielle Bedrohung entsprechen den Themen, mit denen sich viele Künstler und Schriftsteller der Romantik beschäftigen. Natur erscheint dabei nicht als friedlicher Hintergrund, sondern als eine Macht, die das menschliche Leben jederzeit erschüttern kann.

Im Juli läuft die französische Fregatte „Méduse“ vor der westafrikanischen Küste auf Grund. Rund 150 Menschen müssen sich auf ein notdürftig gebautes Floß retten, das schließlich von den übrigen Booten getrennt wird. Als es nach fast zwei Wochen gefunden wird, leben nur noch 15 Menschen. Der Umgang der französischen Regierung mit der Katastrophe löst einen politischen Skandal aus. Musée du Louvre.

Nicéphore Niépce experimentiert in Frankreich mit einer Camera obscura und lichtempfindlichen Materialien. Im Mai 1816 gelingt ihm auf silberchloridbeschichtetem Papier ein negatives Bild einer Fensteransicht. Das Bild lässt sich jedoch noch nicht fixieren und verdunkelt sich bei weiterem Lichteinfall vollständig.

Dennoch nimmt hier eine Entwicklung Gestalt an, die das Verhältnis zwischen Kunst, Technik und Wirklichkeit grundlegend verändern wird: Licht kann nun in einer Kamera ein sichtbares, wenn auch noch nicht dauerhaftes Bild erzeugen. Harry Ransom Center.

1817 – Der Mensch vor der unermesslichen Natur

Um 1817 entsteht Caspar David Friedrichs „Wanderer über dem Nebelmeer“. Ein Mann steht mit dem Rücken zum Betrachter auf einem Felsen. Vor ihm öffnet sich eine Landschaft aus Nebel, Berggipfeln und undeutlicher Ferne.

Durch die Rückenfigur nimmt der Betrachter nicht nur eine Landschaft wahr, sondern zugleich das Sehen eines anderen Menschen. Wir können uns an die Stelle des Wanderers versetzen, ohne zu erfahren, was er denkt oder empfindet. Beherrscht er die Landschaft von seinem erhöhten Standpunkt aus – oder wird ihm gerade seine eigene Kleinheit bewusst?

Das Gemälde wird zu einem der bekanntesten Sinnbilder der Romantik. Natur ist hier weder geografische Dokumentation noch dekorative Kulisse. Sie wird zum Raum der Selbstbegegnung. Hamburger Kunsthalle.

Nachdem das britische Parlament die von Lord Elgin aus Athen nach Großbritannien gebrachten Parthenon-Skulpturen 1816 für das British Museum erworben hat, werden sie dort ab 1817 dauerhaft ausgestellt. Künstler können nun die antiken Figuren unmittelbar studieren. Ihre Bewegungen, Körperhaltungen und Gewänder beeinflussen die europäische Bildhauerei und Malerei – und verstärken zugleich das öffentliche Interesse an archäologischen Originalen. British Museum.

Die Gegenwart wird zum Stoff der Kunst

1818 – Friedrichs Kreidefelsen und Géricaults Floß

Caspar David Friedrich malt die „Kreidefelsen auf Rügen“. Helle Felsen, bewegtes Meer und eine weit entfernte Schiffslandschaft verbinden sich mit drei Figuren im Vordergrund. Zweige und Felsen umrahmen den Ausblick beinahe wie ein natürliches Fenster.

Das Bild wird häufig mit Friedrichs Hochzeit und seiner anschließenden Reise nach Rügen verbunden. Die genaue Identität der Figuren ist jedoch nicht gesichert. Entscheidend ist ihr unterschiedliches Verhalten: Während eine Figur vorsichtig zum Abgrund hinunterblickt, schaut eine andere ruhig über das Meer. Die Landschaft eröffnet verschiedene Formen der Naturerfahrung – Neugier, Gefahr, Andacht und Weite. Kunst Museum Winterthur.

Théodore Géricault beginnt in Paris mit der Arbeit am „Floß der Medusa“. Das Bild entsteht nicht als staatlicher Auftrag. Géricault entscheidet sich selbst dafür, einen aktuellen politischen Skandal in das monumentale Format der Historienmalerei zu übertragen.

Er spricht mit Überlebenden, lässt ein Modell des Floßes bauen und untersucht Körper in Krankenhäusern und Leichenhäusern. Sein Ziel ist keine beiläufige Illustration des Unglücks, sondern eine körperlich und emotional überzeugende Darstellung menschlicher Grenzerfahrung. Musée du Louvre.

1819 – Das „Floß der Medusa“ erschüttert den Salon

Im Pariser Salon von 1819 zeigt Géricault das nahezu fünf Meter hohe und mehr als sieben Meter breite „Floß der Medusa“. Unter dem zurückhaltenden Titel „Szene eines Schiffbruchs“ konfrontiert er das Publikum mit ausgemergelten Körpern, Toten und verzweifelten Überlebenden.

Am fernen Horizont ist ein winziges Schiff zu erkennen. Einige Menschen sammeln ihre letzte Kraft, um auf sich aufmerksam zu machen. Andere haben jede Hoffnung verloren. Die aufsteigende Bewegung der Figuren lässt einen Moment lang Rettung möglich erscheinen, doch die Entfernung des Schiffes macht den Ausgang ungewiss.

Géricault verwendet den monumentalen Aufbau und die sorgfältige Figurenkomposition der klassischen Historienmalerei. Seine Helden sind jedoch keine Feldherren oder Gestalten der Antike. Es sind namenlose Opfer eines aktuellen politischen Versagens.

Damit verändert er die Möglichkeiten des Historienbildes. Ein zeitgenössisches Ereignis kann nun dieselbe künstlerische Bedeutung erhalten wie ein Stoff aus Bibel, Mythologie oder antiker Geschichte. Das Gemälde weist dadurch unmittelbar auf die gesellschaftlich engagierte Kunst des weiteren 19. Jahrhunderts voraus. Musée du Louvre.

Am 19. November öffnet in Madrid das Königliche Museum für Malerei und Bildhauerei seine Türen. Aus diesem Museum entwickelt sich der heutige Prado. Kunstwerke aus königlichen Sammlungen werden dadurch schrittweise einem größeren Publikum zugänglich. Museo del Prado.

Goya bezieht 1819 außerdem ein Landhaus am Rand Madrids, die sogenannte „Quinta del Sordo“. Zwischen 1819 und 1824 entstehen dort jene 14 düsteren Wandbilder, die später als „Schwarze Gemälde“ bekannt werden. Gewalt, Angst, Alter und menschlicher Irrsinn erscheinen darin ohne Rücksicht auf höfische Erwartungen oder öffentliche Ausstellungsregeln. Museo del Prado.

1820 – Kunstwerke werden zu internationalen Ikonen

Géricault lässt das „Floß der Medusa“ nach London bringen. Vom 12. Juni bis zum 30. Dezember wird es in der privat betriebenen Egyptian Hall am Piccadilly öffentlich präsentiert. Die erfolgreiche Ausstellung macht deutlich, dass ein großes Kunstwerk inzwischen auch außerhalb der staatlichen Salons ein internationales Publikum erreichen kann. Öffentlichkeit, Vermarktung und wirtschaftliches Risiko werden zu einem Teil der modernen Künstlerexistenz. Musée du Louvre.

Im Jahr 1820 wird auf der griechischen Insel Melos eine antike Marmorstatue entdeckt. Die später als „Venus von Milo“ bekannte Figur gelangt im März 1821 in den Louvre und entwickelt sich innerhalb kurzer Zeit zu einem der berühmtesten antiken Kunstwerke Europas.

Ihre fehlenden Arme tragen zu ihrer geheimnisvollen Wirkung bei. Da die ursprünglichen Attribute verloren sind, lässt sich die dargestellte Göttin nicht zweifelsfrei bestimmen. Zur Diskussion stehen vor allem Aphrodite, die Göttin der Liebe und Schönheit, und Amphitrite, die auf Melos verehrte Meeresgöttin. Die halb nackte Darstellung und eine in der Nähe gefundene Hand mit einem Apfel sprechen jedoch für Aphrodite.

Gerade die Unvollständigkeit der Statue regt die Fantasie des Publikums an und prägt das moderne Bild antiker Schönheit. Die Entdeckung zeigt zugleich, wie bedeutend Museen für die Kunst des 19. Jahrhunderts werden. Sie sammeln nicht nur historische Gegenstände, sondern bestimmen durch Auswahl, Präsentation und Deutung, welche Werke als Meisterwerke wahrgenommen werden. Musée du Louvre.

Was sich bis 1820 verändert hat

Zu Beginn des Jahrzehnts bestimmen Napoleon und die europäischen Kriege weiterhin das politische Geschehen. Nach Waterloo versuchen die alten Monarchien, ihre Macht wiederherzustellen. Die Erfahrungen von Revolution, Besatzung und Krieg lassen sich jedoch nicht mehr rückgängig machen.

Auch die Kunst kehrt nicht einfach zu den früheren Verhältnissen zurück. Goya und Géricault zeigen, dass ein großes Historienbild nicht den Sieger feiern muss. Es kann den Opfern eine Stimme geben, politische Verantwortung sichtbar machen und das Publikum mit unbequemen Ereignissen seiner eigenen Zeit konfrontieren.

Friedrich und Turner lösen die Landschaft weiter von der bloßen Wiedergabe eines Ortes. Natur wird zum Ausdruck von Sehnsucht, Hoffnung, Angst und menschlicher Begrenztheit. Der Betrachter soll nicht nur erkennen, was dargestellt ist, sondern die Stimmung des Bildes körperlich und emotional erfahren.

Museen wie der Prado, die öffentliche Präsentation antiker Skulpturen und Géricaults privat organisierte Ausstellung schaffen zugleich eine neue Kunstöffentlichkeit. Bilder und Kunstwerke erreichen immer mehr Menschen und werden über nationale Grenzen hinweg bekannt.

Mit Niépces ersten Versuchen kündigt sich schließlich ein völlig neues Bildmedium an. Noch existiert kein dauerhaft fixierbares und praktisch nutzbares fotografisches Verfahren. Die Möglichkeit, mithilfe von Licht und Technik ein sichtbares Bild zu erzeugen, ist jedoch bereits erkennbar. Malerei, Skulptur, Museum und Bildtechnik stehen damit am Beginn einer tiefgreifenden Veränderung.

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