Claude Monets „Impression, Sonnenaufgang“ zeigt Ruderboote und eine orangefarbene Sonne im nebligen Hafen von Le Havre.
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Claude Monet, „Impression, Sonnenaufgang“, 1872, Öl auf Leinwand, 50 × 65 cm, Musée Marmottan Monet, Paris. Das 1874 ausgestellte Hafenbild gab dem Impressionismus seinen Namen: Licht, Farbe und Atmosphäre sind wichtiger als die genaue Beschreibung des Ortes.

Zwischen 1871 und 1880 verändert sich Europa in hohem Tempo. Kriege verschieben Grenzen, die Pariser Kommune erschüttert die französische Gesellschaft, Weltausstellungen präsentieren technische Neuerungen und die schnell wachsenden Großstädte prägen einen neuen Lebensrhythmus. Eisenbahn, Telefon, Fotografie und aufgezeichneter Klang lassen Entfernungen schrumpfen und verändern die Wahrnehmung von Zeit und Bewegung.

Auch die Kunst gerät in Bewegung. Eine Gruppe französischer Malerinnen und Maler löst sich vom staatlich gelenkten Salon und sucht nach eigenen Möglichkeiten, ihre Werke öffentlich zu zeigen. Ihre Bilder widmen sich nicht mehr vorrangig historischen oder mythologischen Stoffen, sondern Bahnhöfen, Boulevards, Ausflugslokalen, Gärten und privaten Innenräumen. Sie fragen danach, wie sich das moderne Leben im flüchtigen Augenblick erfassen lässt.

Der Impressionismus ist dabei kein einheitlicher Stil. Edgar Degas arbeitet anders als Claude Monet, Berthe Morisot setzt andere Schwerpunkte als Gustave Caillebotte oder Auguste Renoir. Gemeinsam ist ihnen vor allem der Wunsch nach künstlerischer Unabhängigkeit und ein neues Interesse an Licht, Atmosphäre, Bewegung und den Erfahrungen der Gegenwart. Zwischen 1874 und 1886 veranstaltet die wechselnd zusammengesetzte Gruppe acht eigene Ausstellungen. The Metropolitan Museum of Art.

Vom politischen Umbruch zur künstlerischen Unabhängigkeit

1871 – Reichsgründung, Pariser Kommune und Courbets Fall

Am 18. Januar 1871 wird im Spiegelsaal von Versailles das Deutsche Kaiserreich proklamiert. Die Zeremonie findet noch während des Deutsch-Französischen Krieges statt. Erst der Frieden von Frankfurt beendet den Krieg am 10. Mai endgültig. Frankreich muss Elsass und Teile Lothringens abtreten und hohe Reparationszahlungen leisten. Deutsches Historisches Museum, Deutsches Historisches Museum.

In Paris führt die militärische Niederlage zu einer schweren politischen Krise. Von März bis Mai 1871 regiert die revolutionäre Pariser Kommune, bevor sie von Regierungstruppen blutig niedergeschlagen wird. Der realistische Maler Gustave Courbet wird in den Rat der Kommune gewählt und engagiert sich als Präsident der Künstlerföderation für die Neuordnung des Pariser Kunstlebens.

Courbet hatte bereits vor der Kommune vorgeschlagen, die Vendôme-Säule als Symbol des Militarismus abzubauen. Entgegen einer häufig wiederholten Darstellung ordnete er ihren Sturz jedoch nicht persönlich an. Nach dem Ende der Kommune wird er wegen seiner Mitverantwortung zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Als er später für die Kosten der Wiedererrichtung aufkommen soll, geht er 1873 ins Schweizer Exil. Musée d’Orsay, The Metropolitan Museum of Art.

Im selben Jahr malt James McNeill Whistler das Porträt seiner Mutter, das heute unter dem Titel „Arrangement in Grau und Schwarz Nr. 1“ bekannt ist. Die strenge Seitenansicht, die großen ruhigen Flächen und der bewusst musikalisch formulierte Titel lösen das Bild teilweise von der traditionellen Porträterzählung. Whistler interessiert sich nicht allein für die dargestellte Person, sondern ebenso für das Verhältnis von Formen, Grau- und Schwarztönen. Musée d’Orsay.

Am 18. Juli 1871 wird in Turin Giacomo Balla geboren. Einige Jahrzehnte später wird er zu den wichtigsten Vertretern des italienischen Futurismus gehören und Bewegung, Geschwindigkeit und künstliches Licht zu zentralen Themen seiner Kunst machen. Museum of Modern Art.

1872 – Monet malt eine „Impression“

Nach seinem Aufenthalt in London kehrt Claude Monet nach Frankreich zurück und lässt sich in Argenteuil nieder. Der an der Seine gelegene Vorort ist durch die Eisenbahn mit Paris verbunden und bietet ihm Motive, in denen Natur, Freizeit und moderne Technik unmittelbar zusammentreffen.

Bei einem Aufenthalt in Le Havre malt Monet vermutlich im November 1872 den morgendlichen Hafen seiner Heimatstadt. Zwischen Nebel, Rauch und Wasser erscheinen Boote, Masten und Industrieanlagen nur schemenhaft. Eine kleine orangefarbene Sonne bildet den stärksten Farbakzent. Erst für die Ausstellung von 1874 gibt Monet dem Bild den Titel „Impression, Sonnenaufgang“ – und liefert damit unbeabsichtigt den Namen für eine ganze Kunstrichtung. Musée Marmottan Monet.

Am 20. Februar öffnet das Metropolitan Museum of Art in New York erstmals für die Öffentlichkeit. Das Museum befindet sich zunächst in einem provisorischen Gebäude; seinen heutigen Standort an der Fifth Avenue bezieht es erst 1880. Am 7. März wird in den Niederlanden Piet Mondrian geboren, dessen spätere abstrakte Kompositionen zu den einflussreichsten Werken der klassischen Moderne zählen werden. The Metropolitan Museum of Art, Museum of Modern Art.

1873 – Weltausstellung, Börsenkrach und eine Künstlergesellschaft

Am 1. Mai beginnt die Wiener Weltausstellung. Bis Ende Oktober besuchen mehr als sieben Millionen Menschen das Ausstellungsgelände im Prater. 35 Länder und internationale Organisationen präsentieren Waren, Kunsthandwerk, Maschinen und technische Entwicklungen. Japan beteiligt sich erstmals offiziell an einer Weltausstellung und beeinflusst mit seinen ausgestellten Farbholzschnitten, Keramiken und Kunstgegenständen nachhaltig die europäische Gestaltung. Bureau International des Expositions, Bureau International des Expositions.

Nur wenige Tage nach der Eröffnung kommt es am 9. Mai zum Wiener Börsenkrach. Die Finanzkrise beendet die vorausgegangene Spekulationsphase und leitet eine lang anhaltende wirtschaftliche Depression ein. Fortschrittsbegeisterung und wirtschaftliche Unsicherheit liegen damit dicht beieinander. Oesterreichische Nationalbank.

In Frankreich entstehen gleichzeitig Bilder, die den modernen Alltag auf neuartige Weise darstellen. Édouard Manet malt „Die Eisenbahn“. Eine Frau und ein Mädchen sitzen vor einem Eisengitter, während der Bahnhof Saint-Lazare hinter Dampfwolken nahezu verschwindet. Die Eisenbahn selbst bleibt unsichtbar – ihre Gegenwart wird durch Rauch, Gitter und den neugierigen Blick des Kindes spürbar. National Gallery of Art.

Monet malt in Argenteuil seine „Mohnblumen“. Die Figuren sind nicht erzählerisch ausgearbeitet, sondern in die farbige Wirkung der Landschaft eingebunden. Das Bild entsteht unter freiem Himmel und wird ein Jahr später in der ersten Ausstellung der späteren Impressionisten gezeigt. Musée d’Orsay.

Ende 1873 gründen Monet, Renoir, Pissarro, Sisley, Degas, Morisot und weitere Künstler eine genossenschaftlich organisierte Gesellschaft. Sie wollen Ausstellungen ohne staatliche Jury und ohne Preise veranstalten. Damit schaffen sie die organisatorische Grundlage für eine vom offiziellen Salon unabhängige Kunstöffentlichkeit. Musée d’Orsay.

1874 – Die erste Ausstellung der Impressionisten

Am 15. April 1874 eröffnet im ehemaligen Atelier des Fotografen Nadar am Boulevard des Capucines die erste gemeinsame Ausstellung. Rund 30 Künstlerinnen und Künstler zeigen etwa 165 Werke. Zu ihnen gehören Monet, Auguste Renoir, Berthe Morisot, Camille Pissarro, Edgar Degas, Alfred Sisley und Paul Cézanne. Manet hält dagegen weiterhin am offiziellen Salon fest.

Die Ausstellung ist ein mutiger Schritt, wirtschaftlich aber zunächst kein Erfolg. Etwa 3.500 Menschen besuchen die Räume – nur ein Bruchteil des Publikums, das der Pariser Salon erreicht. Viele Kritiker reagieren spöttisch auf die sichtbar gesetzten Pinselstriche und die scheinbar unfertige Malweise. Musée d’Orsay, National Gallery of Art.

Am 25. April veröffentlicht der Journalist Louis Leroy im Satireblatt „Le Charivari“ eine höhnische Besprechung. Ausgehend von Monets „Impression, Sonnenaufgang“ bezeichnet er die Beteiligten als „Impressionisten“. Der als Spott gemeinte Name setzt sich durch und wird von der Gruppe später selbstbewusst übernommen. Musée Marmottan Monet.

Auch Morisot ist mit mehreren Gemälden vertreten. Ihr Bild „Die Wiege“ zeigt ihre Schwester Edma, die über ihr schlafendes Kind wacht. Das stille, private Motiv macht deutlich, dass die neue Kunst nicht nur das öffentliche Leben auf Straßen und in Cafés erfasst. Auch familiäre Innenräume und weibliche Erfahrungswelten werden zu ernst genommenen Gegenständen moderner Malerei. Musée d’Orsay.

Das moderne Leben wird zum Bildthema

1875 – Auktion, Oper und ein neuer Kunstmarkt

Da die unabhängige Ausstellung kaum Verkäufe gebracht hat, suchen die Künstler nach weiteren Wegen zum Publikum. Am 24. März lassen Monet, Morisot, Renoir und Sisley im Pariser Auktionshaus Hôtel Drouot eigene Werke versteigern. Die Auktion zeigt, wie eng künstlerische Unabhängigkeit und wirtschaftliches Risiko miteinander verbunden sind. Zugleich entsteht neben Salon und Akademie schrittweise ein neuer Kunstmarkt, in dem Händler, Sammler und Auktionen an Bedeutung gewinnen. The Metropolitan Museum of Art.

Am 5. Januar wird das von Charles Garnier entworfene Pariser Opernhaus eröffnet. Seine prachtvollen Treppen, Foyers und Zuschauerräume dienen nicht allein der Musik, sondern auch der gesellschaftlichen Selbstdarstellung. Für Degas werden Ballettsäle, Bühnenproben und Ansichten hinter den Kulissen zu wichtigen Motiven. Dabei zeigt er weniger die glanzvolle Aufführung als Disziplin, Wiederholung und Arbeit. Opéra national de Paris.

1876 – Caillebotte, Renoir und die zweite Ausstellung

Bei der zweiten Gruppenausstellung tritt Gustave Caillebotte erstmals gemeinsam mit den Impressionisten auf. Er zeigt acht Gemälde, darunter die „Parkettschleifer“. Das großformatige Bild arbeitender Männer war 1875 vom Salon abgelehnt worden. Nicht die Malweise, sondern vor allem das als zu alltäglich empfundene Motiv hatte Anstoß erregt. Caillebotte erhebt körperliche Arbeit in einer modernen Stadtwohnung zu einem monumentalen Bildthema. Musée d’Orsay.

Renoir malt 1876 den „Bal du moulin de la Galette“. Das Bild zeigt eine sonntägliche Tanzveranstaltung auf dem Montmartre. Figuren, Kleider und Gesichter lösen sich im flirrenden Wechsel von Sonnenlicht und Schatten teilweise auf. Renoir verbindet ein zeitgenössisches Freizeitvergnügen mit der Untersuchung farbigen Lichts. Das Gemälde wird im folgenden Jahr auf der dritten Ausstellung der Gruppe präsentiert. Musée d’Orsay.

Auch die Kommunikation beschleunigt sich: Am 7. März erhält Alexander Graham Bell ein Patent für sein Telefon. Wenig später gelingt die verständliche Übertragung gesprochener Worte. Noch ist das Telefon ein experimentelles Gerät, doch es deutet eine Zukunft an, in der die menschliche Stimme räumliche Entfernungen nahezu augenblicklich überwinden kann. Smithsonian Institution.

1877 – Bahnhof, Boulevard und aufgezeichneter Klang

Auf der dritten gemeinsamen Ausstellung nehmen die Beteiligten den zuvor spöttisch verwendeten Namen selbst an und treten ausdrücklich als Impressionisten auf. Drei heute berühmte Gemälde zeigen, wie unterschiedlich sie das moderne Paris wahrnehmen.

Monet widmet dem Bahnhof Saint-Lazare eine ganze Bildfolge. Glasdächer, Lokomotiven und Reisende verschwinden in Dampf, Rauch und wechselndem Licht. Die scheinbar feste Architektur wird zu einem atmosphärischen Raum voller Bewegung. Musée d’Orsay.

Caillebotte zeigt in „Straße in Paris an einem regnerischen Tag“ einen neu angelegten Boulevard. Die steinernen Fassaden, das nasse Pflaster und die voneinander isolierten Passanten vermitteln die räumliche Weite, aber auch die Anonymität der modernen Großstadt. Renoirs „Bal du moulin de la Galette“ stellt derselben Stadt ein Bild geselliger Nähe und flirrenden Lichts gegenüber. Art Institute of Chicago, Musée d’Orsay.

Auguste Rodin präsentiert die lebensgroße männliche Figur „Das eherne Zeitalter“. Ihre ungewöhnliche Natürlichkeit führt zu dem Verdacht, Rodin habe den Körper direkt nach einem lebenden Modell abgeformt. Die Anschuldigung ist unbegründet, macht den Bildhauer jedoch schlagartig bekannt. Seine Plastik stellt die akademischen Erwartungen an Pose, Ideal und handwerkliche Ausführung infrage. Musée Rodin.

Thomas Alva Edison entwickelt im selben Jahr den Phonographen, das erste Gerät, das Schall nicht nur aufzeichnen, sondern auch wiedergeben kann. Fotografie, Telefon und Phonograph eröffnen damit neue Möglichkeiten, Bild, Stimme und Klang von ihrem ursprünglichen Augenblick zu lösen. Smithsonian Institution.

Fotografie, neue Stimmen und der Blick nach vorn

1878 – Weltausstellung und Bewegung in Bildern

Vom 20. Mai bis zum 10. November findet in Paris eine weitere Weltausstellung statt. Mehr als 16 Millionen Menschen besuchen die Veranstaltung. Maschinen, technische Erfindungen, Architektur und Kunsthandwerk inszenieren die Stadt erneut als Zentrum des internationalen Fortschritts. Bureau International des Expositions.

Am 30. Juni malt Monet die festlich geschmückte Rue Montorgueil. Der Tag wird im Umfeld der Weltausstellung als Fest des Friedens und der Arbeit begangen. Monet steht an einem erhöhten Fenster und blickt auf das Gewimmel der Straße hinab. Die zahllosen französischen Fahnen werden zu kurzen roten, weißen und blauen Farbflecken. Das Gemälde ist daher nicht, wie gelegentlich angenommen, eine Darstellung des französischen Nationalfeiertags am 14. Juli. Musée d’Orsay.

Der Fotograf Eadweard Muybridge zerlegt mit einer Folge von Kameras den Galopp eines Pferdes in einzelne Bewegungsphasen. Seine 1878 entstandenen Aufnahmen beweisen, dass sich während des Galopps zeitweise alle vier Hufe gleichzeitig in der Luft befinden. Die Fotografie zeigt damit etwas, das dem bloßen Auge entgeht, und verändert nachhaltig die künstlerische Darstellung von Bewegung. National Gallery of Art.

1879 – Mary Cassatt und die vierte Ausstellung

Bei der vierten Ausstellung erhält die Gruppe durch Mary Cassatt eine wichtige neue Stimme. Die in den USA geborene Künstlerin lebt in Paris und ist von Degas zur Teilnahme ermutigt worden. Cassatt zeigt Frauen nicht als dekorative Figuren, sondern als handelnde und wahrnehmende Personen in Theatern, Logen, Wohnungen und familiären Situationen. Sie ist die einzige US-amerikanische Künstlerin, die dauerhaft mit dem engeren Kreis der Impressionisten verbunden ist. The Metropolitan Museum of Art.

Renoir beschreitet unterdessen wieder den Weg über den offiziellen Salon. Sein repräsentatives Gruppenporträt „Madame Georges Charpentier und ihre Kinder“ wird dort 1879 mit großem Erfolg gezeigt. Die Grenzen zwischen unabhängiger Ausstellung und Salon sind damit durchlässiger, als die spätere Erzählung eines einheitlichen impressionistischen Aufstands vermuten lässt. The Metropolitan Museum of Art.

Am 18. Dezember wird in der Nähe von Bern Paul Klee geboren. Bei Kasimir Malewitsch ist das Geburtsjahr dagegen nicht einheitlich überliefert: Während ältere Veröffentlichungen häufig 1878 nennen, führen neuere Darstellungen den 23. Februar 1879 an. Zentrum Paul Klee, Tate, Stedelijk Museum.

1880 – Eine Bewegung öffnet sich in viele Richtungen

An der fünften Ausstellung der Impressionisten beteiligt sich Morisot mit etwa 15 Gemälden. Cassatt, Degas und Pissarro präsentieren auch Druckgrafiken. Die Ausstellung macht sichtbar, wie weit sich das Spektrum der Gruppe inzwischen geöffnet hat: Neben Landschaften und Stadtansichten stehen Porträts, Interieurs, Pastelle und experimentelle Druckverfahren. Musée d’Orsay, National Gallery of Art.

Rodin erhält vom französischen Staat den Auftrag für ein monumentales Portal eines geplanten Kunstgewerbemuseums. Aus diesem Auftrag entwickelt sich die „Höllenpforte“, an der er bis zu seinem Lebensende weiterarbeitet. Zahlreiche später selbstständig berühmt gewordene Figuren, darunter „Der Denker“, gehen aus diesem Großprojekt hervor. Musée Rodin.

Arnold Böcklin beginnt 1880 mit der ersten Fassung seiner „Toteninsel“. Bis 1886 entstehen insgesamt fünf Versionen des rätselhaften Motivs; vier davon sind erhalten. Die stille Felseninsel mit ihren dunklen Zypressen und dem über das Wasser gleitenden Boot wird zu einem der bekanntesten Bilder des Symbolismus. Kunstmuseum Basel, The Metropolitan Museum of Art.

Am 30. März eröffnet das Metropolitan Museum of Art sein neues Gebäude an der Fifth Avenue in New York. In München wird am 8. Februar Franz Marc geboren. Marc wird später gemeinsam mit Wassily Kandinsky den „Blauen Reiter“ prägen und der Farbe eine weitgehend eigenständige Ausdruckskraft verleihen. The Metropolitan Museum of Art, Museum of Modern Art.

Was sich bis 1880 verändert hat

Zu Beginn des Jahrzehnts bestimmen Krieg, politische Gewalt und die Folgen der Pariser Kommune das kulturelle Klima. Am Ende haben sich neue Formen künstlerischer Öffentlichkeit etabliert. Der Salon bleibt zwar einflussreich, besitzt aber nicht mehr das alleinige Recht, über Sichtbarkeit und Anerkennung zu entscheiden. Selbst organisierte Ausstellungen, Auktionen, private Sammler, Kunsthändler und neu gegründete Museen schaffen zusätzliche Wege zum Publikum.

Der Impressionismus steht beispielhaft für diesen Wandel. Seine Vertreter machen den flüchtigen Augenblick, das wechselnde Licht und das moderne Alltagsleben bildwürdig. Gleichzeitig erweitern Fotografie und technische Medien die Möglichkeiten der Wahrnehmung, während Rodin und Böcklin ganz andere Wege in die Moderne eröffnen. Das Jahrzehnt von 1871 bis 1880 bildet deshalb keinen abgeschlossenen Stilabschnitt. Es markiert den Beginn einer Kunstwelt, in der unterschiedliche Auffassungen, Medien und Ausstellungsformen zunehmend nebeneinander bestehen.

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