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Ernst Ludwig Kirchners „Straße, Dresden“ verwandelt die elegante Königstraße in einen nervösen Schauplatz der Moderne. Schrille Farben, steile Perspektiven und maskenhafte Gesichter vermitteln Bewegung, Enge und Einsamkeit zugleich.
Das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts verändert die Kunst grundlegend. Zu Beginn stehen noch die nachdenklichen, symbolistischen und postimpressionistischen Bildwelten der Jahrhundertwende. Doch schon wenige Jahre später lösen sich Farben von der sichtbaren Wirklichkeit, Körper zerfallen in kantige Flächen und die vertraute Perspektive verliert ihre Verbindlichkeit.
Dieser Aufbruch vollzieht sich nicht in einer einzigen Stadt und folgt keinem einheitlichen Stil. In Paris experimentieren Henri Matisse, Pablo Picasso und Georges Braque. In Dresden gründet sich die Künstlergruppe „Brücke“, während in München und Wien weitere Zentren einer neuen, ausdrucksbetonten Kunst entstehen. Ausstellungen, Künstlervereinigungen, Zeitschriften und Manifeste werden dabei ebenso wichtig wie die Arbeit im Atelier.
Bis 1910 haben Fauvismus, Expressionismus, Kubismus und Futurismus ihre ersten deutlich erkennbaren Formen angenommen. Die Kunst soll nun nicht mehr allein wiedergeben, was vor den Augen liegt. Sie beginnt, Farbe, Linie und Raum als eigenständige Ausdrucksmittel zu begreifen.
1901–1904: Farbe, Stimmung und neue Vorbilder
1901 – Picasso beginnt seine Blaue Periode
Der junge Pablo Picasso zeigt im Juni 1901 seine erste große Pariser Ausstellung in der Galerie von Ambroise Vollard. Seine Arbeiten wirken zunächst noch ausgesprochen vielseitig und greifen Einflüsse von Toulouse-Lautrec, van Gogh und anderen Künstlern der französischen Moderne auf. Im Laufe des Jahres verändert sich seine Malerei jedoch deutlich.
Nach dem Tod seines Freundes Carlos Casagemas treten Melancholie, Armut und Einsamkeit in den Mittelpunkt. Picasso malt Bettler, Gefangene, erschöpfte Mütter und gesellschaftliche Außenseiter in kühlen Blau- und Grüntönen. Mit dieser sogenannten Blauen Periode findet er erstmals zu einer über mehrere Jahre hinweg geschlossenen eigenen Bildsprache. Museu Picasso Barcelona
Auch Edvard Munch beschäftigt sich weiterhin mit inneren Zuständen. In „Die Mädchen auf der Brücke“ verbindet er eine alltägliche Szene mit einer seltsam schwebenden Stimmung. Die geschwungene Uferlinie, die kräftigen Farben und die abgewandten Figuren lassen die Landschaft wie einen seelischen Raum erscheinen. MUNCH
Am 10. Dezember werden erstmals die von Alfred Nobel gestifteten Preise verliehen. Sie stehen beispielhaft für das wachsende öffentliche Ansehen von Wissenschaft, Literatur und kultureller Leistung zu Beginn des neuen Jahrhunderts. Nobel Prize
1902 – El Greco wird für die Moderne wiederentdeckt
Im Museo del Prado in Madrid findet eine große Ausstellung mit Werken El Grecos statt. Der lange Zeit wenig beachtete Maler des späten 16. Jahrhunderts wird nun als erstaunlich moderner Künstler wahrgenommen. Seine lang gestreckten Figuren, die flackernden Farben und die bewusste Verformung des Sichtbaren faszinieren später unter anderem Picasso und zahlreiche Expressionisten.
Die Wiederentdeckung zeigt den jungen Künstlern, dass Ausdruck und Verfremdung keineswegs ausschließlich Erfindungen ihrer eigenen Zeit sind. El Greco wird zu einem historischen Vorbild für eine Malerei, die nicht naturgetreu sein muss, um eine starke innere Wahrheit zu vermitteln. Museo del Prado
Edvard Munch präsentiert bei der Berliner Secession eine größere Werkgruppe unter dem Titel „Lebensfries“. Bilder über Liebe, Eifersucht, Angst, Krankheit und Tod erscheinen dabei nicht mehr als voneinander unabhängige Gemälde, sondern als Teile eines umfassenden Zyklus menschlicher Grunderfahrungen. Zu den zentralen Arbeiten gehört „Der Tanz des Lebens“, in dem Jugend, Begehren und Vergänglichkeit miteinander verbunden werden. Nasjonalmuseet
1903 – Neue Ausstellungen und ein veränderter Blick auf die Welt
In Paris wird der Salon d’Automne gegründet. Die neue Herbstausstellung bietet Künstlern eine Bühne, die bei den etablierten, akademisch geprägten Salons nur geringe Chancen haben. Damit entsteht ein wichtiges Forum für die jüngere Moderne. Zwei Jahre später werden hier die farbgewaltigen Arbeiten der Fauves für Aufsehen sorgen. Salon d’Automne
Am 17. Dezember gelingt den Brüdern Wilbur und Orville Wright bei Kitty Hawk der erste kontrollierte und anhaltende Motorflug. Im selben Jahr erhält Marie Curie gemeinsam mit Pierre Curie und Henri Becquerel den Nobelpreis für Physik und wird damit zur ersten weiblichen Nobelpreisträgerin. Wissenschaft und Technik verschieben die Grenzen des Vorstellbaren – eine Erfahrung, die das Lebensgefühl der Epoche ebenso prägt wie die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche. Smithsonian National Air and Space Museum, Nobel Prize
Am 8. Mai stirbt Paul Gauguin auf der Marquesas-Insel Hiva Oa. Seine vereinfachten Formen, großen Farbflächen und symbolisch aufgeladenen Motive beeinflussen Matisse, Picasso und viele Künstler des späteren Expressionismus. Gauguins Bildwelt bleibt zugleich eng mit dem europäischen Kolonialismus und seiner problematischen Vorstellung eines vermeintlich unberührten „Exotischen“ verbunden. Musée d’Orsay
1904 – Matisse entdeckt die Freiheit der Farbe
Henri Matisse verbringt den Sommer in Saint-Tropez und arbeitet dort im Austausch mit Paul Signac und Henri-Edmond Cross. Die leuchtende Mittelmeerküste ermutigt ihn zu einer Malerei, in der Farbe nicht mehr nur Licht und Gegenstände beschreibt. Sie beginnt, selbst zum wichtigsten Träger der Bildwirkung zu werden.
In „Luxe, calme et volupté“ zerlegt Matisse die Landschaft und die Figuren noch in einzelne farbige Punkte und Striche. Gleichzeitig löst er sich bereits von der strengen Methode des Neoimpressionismus. Das Gemälde bildet eine Brücke zwischen dem Pointillismus und dem freien, flächigen Farbauftrag des kommenden Fauvismus. Centre Pompidou
Picasso lässt sich dauerhaft in Paris nieder und bezieht ein Atelier im „Bateau-Lavoir“ auf dem Montmartre. Seine Farbpalette wird allmählich wärmer; Zirkusleute, Akrobaten und Harlekine treten an die Stelle der düsteren Figuren seiner Blauen Periode. Damit beginnt der Übergang zur sogenannten Rosa Periode. Museu Picasso Barcelona
Am 11. Mai wird in Figueres Salvador Dalí geboren. Seine surrealistischen Traumlandschaften werden allerdings erst in den 1920er- und 1930er-Jahren entstehen. Fundació Gala-Salvador Dalí
1905–1908: Farbe wird wild, der Bildraum zerbricht
1905 – Zwei Aufbrüche in Dresden und Paris
Am 7. Juni gründen die Architekturstudenten Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl in Dresden die Künstlergruppe „Brücke“. Ihr Name soll sinnbildlich eine Verbindung zwischen der überlieferten Kunst und einer noch zu schaffenden Zukunft herstellen.
Die jungen Künstler wenden sich gegen die akademische Ausbildung, den gesellschaftlichen Konformismus und eine Malerei, die ihnen zu glatt und leblos erscheint. Stattdessen suchen sie nach unmittelbaren Ausdrucksformen. Kräftige Farben, vereinfachte Körper, schnelle Linien und die sichtbare Spur der arbeitenden Hand werden zu Kennzeichen ihrer Kunst. Brücke-Museum
Fast gleichzeitig befreien Matisse und André Derain im südfranzösischen Collioure die Farbe von ihrer herkömmlichen Aufgabe. Schatten können nun rot, Gesichter grün und Wasser orange erscheinen. Beim Pariser Salon d’Automne werden Matisse und seine Freunde wegen ihrer heftig leuchtenden Bilder als „Fauves“ – als „wilde Tiere“ – bezeichnet. Der ursprünglich abwertend gemeinte Ausdruck wird zum Namen des Fauvismus. The Met, MoMA
Auch in der Wissenschaft ist 1905 ein außergewöhnliches Jahr. Albert Einstein veröffentlicht vier grundlegende Arbeiten über Licht, Atome, Bewegung, Raum, Zeit sowie das Verhältnis von Masse und Energie. Zwischen der neuen Physik und der modernen Kunst besteht kein einfacher ursächlicher Zusammenhang. Beide zeigen jedoch, wie grundlegend vertraute Modelle der Wirklichkeit nun infrage gestellt werden. Einstein Online
1906 – Lebensfreude und vereinfachte Formen
Matisse vollendet „Le Bonheur de vivre“, die „Lebensfreude“. Das großformatige Gemälde zeigt nackte Figuren in einer farbigen, paradiesisch anmutenden Landschaft. Körper, Bäume und Flächen werden durch geschwungene Linien miteinander verbunden. Größenverhältnisse und Raumtiefe gehorchen nicht mehr der Naturbeobachtung, sondern dem Rhythmus der gesamten Komposition. Das Bild wird zu einem Schlüsselwerk des Fauvismus. Barnes Foundation
Picasso beendet sein „Porträt der Gertrude Stein“. Der schwere, vereinfachte Körper und das maskenhaft wirkende Gesicht entfernen sich deutlich vom traditionellen Porträt. Picassos Beschäftigung mit iberischer Skulptur bereitet hier bereits jene Formensprache vor, aus der wenig später der Kubismus hervorgehen wird. The Met
Am 23. Oktober stirbt Paul Cézanne. Seine Gemälde, in denen Landschaften und Gegenstände aus farbigen, konstruktiv geordneten Flächen aufgebaut werden, gewinnen für Picasso und Georges Braque eine kaum zu überschätzende Bedeutung. Cézannes Vorstellung, Natur durch grundlegende räumliche Formen zu ordnen, wird zu einem wichtigen Ausgangspunkt des Kubismus. Musée Granet
1907 – Die „Demoiselles“ verändern den Bildraum
Picasso malt im Sommer „Les Demoiselles d’Avignon“. Fünf nackte Frauen füllen nahezu die gesamte Bildfläche. Ihre Körper bestehen aus scharf gegeneinander gesetzten Formen; der Raum zwischen ihnen wirkt aufgefaltet und zerschnitten. Besonders die beiden rechten Gesichter zeigen Picassos intensive Auseinandersetzung mit außereuropäischen Masken und Skulpturen, die er in Pariser Sammlungen gesehen hatte.
Zunächst zeigt Picasso das Gemälde nur ausgewählten Besuchern seines Ateliers. Erst 1916 wird es öffentlich ausgestellt. Trotzdem wird das Werk später zu einem Ausgangspunkt für die gemeinsame Entwicklung des Kubismus durch Picasso und Braque. Heute wird dabei auch kritisch gefragt, unter welchen kolonialen Bedingungen afrikanische Objekte nach Europa gelangten und wie die europäische Avantgarde sie wahrnahm und verwendete. MoMA, The Met
Am 20. November stirbt Paula Modersohn-Becker im Alter von nur 31 Jahren. In ihrem kurzen Leben hat sie eine ausgesprochen eigenständige Malerei entwickelt. Ihre Porträts, Mutter-Kind-Bilder und Selbstbildnisse verbinden ruhige Flächen, erdige Farben und vereinfachte Körper mit einer unmittelbaren, selbstbewussten Präsenz. Besonders ihre Selbstakte eröffnen einen neuen weiblichen Blick auf den eigenen Körper. Kunsthalle Bremen
In Wien vollendet Gustav Klimt das „Porträt Adele Bloch-Bauer I“. Gold und Silber, geometrische Ornamente und naturalistisch gemalte Körperpartien verschmelzen zu einem kostbaren, beinahe raumlosen Bild. Das Gemälde gehört zu den Höhepunkten von Klimts „Goldener Periode“ und zeigt, wie eng sich im Wiener Jugendstil Malerei, Ornament und angewandte Kunst verbinden. Neue Galerie New York
1908 – Kubistische Landschaften und nervöse Großstädte
Georges Braque malt in L’Estaque Landschaften, deren Häuser und Berge auf kantige, blockartige Formen reduziert sind. Der Kritiker Louis Vauxcelles beschreibt diese Arbeiten als „kubische Merkwürdigkeiten“. Aus solchen Bemerkungen entwickelt sich allmählich die Bezeichnung „Kubismus“.
Picasso und Braque arbeiten nun in engem Austausch. Sie zerlegen Gegenstände in Flächen, verschränken verschiedene Ansichten und lassen Figur und Hintergrund ineinander übergehen. Der Bildraum soll nicht länger wie ein Fenster in eine natürliche Welt erscheinen, sondern als eigenständige, auf der Leinwand geschaffene Ordnung. Tate
Ernst Ludwig Kirchner malt „Straße, Dresden“. Die elegante Königstraße erscheint darin als dicht gedrängter, beunruhigender Stadtraum. Schrille Farben, maskenhafte Gesichter und eine steil ansteigende Perspektive vermitteln zugleich Bewegung und Einsamkeit. Das Gemälde macht sichtbar, wie die Künstler der Brücke das moderne Großstadtleben in eine nervöse Bildsprache des Expressionismus übersetzen. MoMA
Bei der Wiener Kunstschau tritt der junge Oskar Kokoschka mit ungewöhnlich radikalen Arbeiten hervor. Sein Plakat „Der Baumwollpflücker“ verbindet Einflüsse des Jugendstils mit lang gestreckten, beinahe nervös verzerrten Formen. Damit kündigt sich ein eigenständiger österreichischer Expressionismus an. Leopold Museum
Am 7. August wird bei Ausgrabungen in Willendorf die später als „Venus von Willendorf“ bezeichnete Kalksteinfigur gefunden. Die nur elf Zentimeter hohe, ursprünglich mit rotem Ocker bedeckte Darstellung ist etwa 29.500 Jahre alt. Ihre Entdeckung erweitert den kunsthistorischen Blick weit über die europäische Hochkultur hinaus bis zu den frühesten erhaltenen menschlichen Darstellungen. Naturhistorisches Museum Wien
1909–1910: Manifeste, Künstlerbünde und eine neue Öffentlichkeit
1909 – Futurismus und die Neue Künstlervereinigung München
Am 20. Februar erscheint Filippo Tommaso Marinettis futuristisches Manifest auf der Titelseite der Pariser Zeitung „Le Figaro“. Marinetti fordert einen radikalen Bruch mit der Vergangenheit und verherrlicht Geschwindigkeit, Maschinen, Großstadt, Kampf und technische Kraft. Damit begründet er den Futurismus, der bald auch Malerei, Skulptur, Literatur, Musik und Theater erfasst. Zur Bewegung gehört zugleich eine problematische Begeisterung für Gewalt, Krieg und aggressiven Nationalismus. MoMA
In München gründen Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky, Marianne von Werefkin und weitere Kunstschaffende die Neue Künstlervereinigung München. Sie suchen nach einer Kunst, die äußere Eindrücke mit innerem Erleben verbindet und sich von akademischen Vorstellungen löst.
Besonders die gemeinsamen Aufenthalte in Murnau fördern eine Malerei mit dunklen Konturen, vereinfachten Formen und leuchtenden Farbflächen. Die Vereinigung wird zu einem wichtigen Vorläufer des Blauen Reiters, der zwei Jahre später aus inneren Konflikten und weitergehenden künstlerischen Vorstellungen hervorgeht. Lenbachhaus
Währenddessen treiben Picasso und Braque die Entwicklung des analytischen Kubismus voran. Gegenstände bleiben noch erkennbar, werden aber in zahlreiche kleine Flächen zerlegt und aus wechselnden Ansichten zusammengesetzt. Auch Kandinsky malt seine ersten „Improvisationen“, in denen Farbe und Form zunehmend von einem eindeutig benennbaren Gegenstand unabhängig werden. MoMA
1910 – Neue Ausstellungsorte für den Expressionismus
Nachdem zahlreiche jüngere Künstler von der Jahresausstellung der Berliner Secession abgelehnt worden sind, gründen Max Pechstein, Georg Tappert und weitere Beteiligte die Neue Secession. Ihre erste Ausstellung zeigt Werke der Zurückgewiesenen und verschafft dem Expressionismus in Berlin ein neues Forum. Die Berliner Secession besteht daneben weiter und bleibt noch viele Jahre aktiv. Berlinische Galerie, Brücke-Museum
Am 3. März veröffentlicht Herwarth Walden die erste Ausgabe der Zeitschrift „Der Sturm“. Sie wird zu einer wichtigen Plattform für expressionistische Literatur und Kunst, öffnet sich aber auch dem Kubismus, Futurismus und anderen internationalen Strömungen. 1912 erweitert Walden das Projekt um die Galerie „Der Sturm“, die Berlin zu einem bedeutenden Ausstellungsort der europäischen Avantgarde macht. Staatsbibliothek zu Berlin
Henri Rousseau vollendet „Der Traum“, sein größtes und letztes Dschungelbild. Eine nackte Frau liegt auf einem Sofa, das unvermittelt in eine üppige, von Tieren und Pflanzen erfüllte Fantasielandschaft versetzt ist. Rousseau malt keine reale Tropenwelt; seine Vorstellungen entstehen unter anderem bei Besuchen des Pariser Jardin des Plantes. Die flächige, perspektivisch kaum geordnete Szenerie fasziniert später Surrealisten ebenso wie andere Künstler der Moderne. Rousseau stirbt am 2. September 1910. MoMA
Was sich bis 1910 verändert hat
Innerhalb eines einzigen Jahrzehnts verliert die naturgetreue Darstellung ihre frühere Selbstverständlichkeit. Die Fauves lassen Farbe unabhängig von der sichtbaren Wirklichkeit leuchten. Die Brücke-Künstler verbinden vereinfachte Formen mit unmittelbarem Ausdruck. Picasso und Braque zerlegen den Bildraum, während Futuristen Bewegung und technische Dynamik zum Programm erheben.
Ebenso grundlegend verändert sich die Organisation des Kunstlebens. Künstler schließen sich zu Gruppen zusammen, veröffentlichen Programme und Manifeste, gründen eigene Ausstellungen und nutzen Zeitschriften als öffentliche Bühnen. Die Moderne besteht damit nicht mehr nur aus einzelnen ungewöhnlichen Gemälden. Sie wird zu einem internationalen Netzwerk konkurrierender Ideen.
1910 steht die europäische Kunst unmittelbar vor der Abstraktion. Mit dem Blauen Reiter, dem Orphismus, dem italienischen Futurismus und weiteren expressionistischen Strömungen wird sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren beschleunigen. Wie der künstlerische Aufbruch auf die wachsenden politischen Spannungen und schließlich auf den Ersten Weltkrieg trifft, zeigt die Timeline 1911–1920.
