Artikelgliederung
Vorwort
Die 1840er-Jahre verändern, was Menschen sehen und wie sie Bilder herstellen. Fotografien bewahren den Anblick einer zerstörten Stadt, halten Pflanzenformen fest und gelangen über Druckgrafiken in die Presse. Die Eisenbahn beschleunigt Reisen, die Telegrafie Nachrichten. Zugleich prägen Hunger, ungleiche Lebensbedingungen und die Revolutionen von 1848 die öffentliche Debatte. Künstler reagieren auf diese Gegenwart auf unterschiedliche Weise.
Eine einfache Ablösung der Romantik durch den Realismus lässt sich daraus nicht machen. Turners Malerei verwandelt Dampfschiffe und Züge in Erfahrungen von Bewegung und Naturgewalt. Historienbilder und Allegorien behalten ihre Bedeutung. Menzel findet ein Thema im Licht eines leeren Zimmers; Hübner zeigt die Not von Webern; Courbet und Millet geben gewöhnlichen Menschen einen neuen Rang im Bild. Das Jahrzehnt führt damit zu einer grundlegenden Frage: Welche Gegenstände gelten als wichtig genug für die Kunst?
Bildausschnitt, zum vollständigen Bild und zum Werkartikel bitte auf das Bild tippen.
Gustave Courbet, „Ein Begräbnis in Ornans“, 1849–1850, Öl auf Leinwand, Musée d’Orsay, Paris. Das monumentale Gemälde macht eine Beerdigung auf dem Land zum Gegenstand großer Malerei.
Neue Mittel, neue Beobachtungen
1841 – Schinkels Vermächtnis und die bewegliche Farbe
Mit Karl Friedrich Schinkel stirbt einer der prägenden Gestalter des klassizistischen Berlin. Er entwarf Gebäude, Bühnenbilder und Gegenstände des täglichen Lebens. Seine Arbeit erinnert daran, dass Kunstgeschichte nicht allein in Gemälden stattfindet: Auch Architektur und Gestaltung bestimmen, wie Menschen ihre Umgebung wahrnehmen. Dass Schinkels Werke weiterwirken, macht seinen Tod zu einem sinnvollen Ausgangspunkt für ein Jahrzehnt des Wandels. [1]
Im selben Jahr lässt sich der Maler und Erfinder John Goffe Rand eine zusammendrückbare Metalltube für Künstlerfarben patentieren. Farben können darin aufbewahrt und leichter mitgenommen werden. Für das Malen außerhalb des Ateliers ist das eine praktische Neuerung. Die spätere Freilichtmalerei entsteht aber nicht allein durch eine Erfindung; ebenso wichtig sind künstlerische Interessen, Reisewege und der neue Blick auf die sichtbare Welt. [2]
1842 – Stadtbrand und Naturgewalt im Bild
Nach dem großen Brand von Hamburg hält Hermann Biow die Ruinen der Stadt in Daguerreotypien fest. Drei Aufnahmen sind erhalten geblieben. Die Stiftung Historische Museen Hamburg zählt sie zu den frühesten Beispielen der Reportagefotografie. Die Kamera dient hier der Dokumentation eines aktuellen Ereignisses: Die Zerstörung erhält ein sichtbares Zeugnis, das über die Schilderung durch Augenzeugen hinausgeht. [3]
Im selben Jahr zeigt J. M. W. Turner sein Gemälde „Schneesturm – Dampfschiff vor einer Hafeneinfahrt“ („Snow Storm – Steam-Boat off a Harbour’s Mouth“). Das Schiff ist von Wasser, Schnee, Rauch und Licht umgeben; seine Umrisse scheinen sich in der Bewegung aufzulösen. Auch Turner befasst sich mit einer modernen Maschine. Anders als Biows Fotografien hält sein Bild jedoch keinen eindeutig bestimmbaren historischen Augenblick fest. Gerade nebeneinander zeigen die Werke, wie verschieden Malerei und Fotografie Wirklichkeit erfahrbar machen. [4]
1843 – Öffentlichkeit, Kunstkritik und fotografierte Pflanzen
In Johann Peter Hasenclevers „Lesekabinett“ vertiefen sich Männer in Zeitungen und Schriften. Das Bild beobachtet die Lese- und Debattierkultur des Vormärz mit satirischem Blick. Wer gemeinsam liest, kann Nachrichten vergleichen und politische Meinungen bilden. Die Szene erzählt daher auch von einer Öffentlichkeit, die sich unter den Bedingungen von Zensur und sozialer Ungleichheit entwickelt. [5]
Der junge Kunstkritiker John Ruskin veröffentlicht den ersten Band von „Modern Painters“. Er verteidigt darin Turners Malerei und stellt die genaue Beobachtung der Natur gegen die Vorstellung, dass ältere Meister grundsätzlich die besseren Landschaftsbilder schufen. Für die Geschichte der Moderne ist das wichtig: Nicht nur neue Werke verändern die Kunst, sondern auch Kritiker, die erklären und umstrittene Malweisen öffentlich verteidigen. [6]
Anna Atkins beginnt, „Photographs of British Algae: Cyanotype Impressions“ in einzelnen Teilen privat zu verteilen. Für ihre Cyanotypien legt sie Algen unmittelbar auf lichtempfindliches Papier. Nach der Belichtung erscheinen helle Pflanzenformen auf blauem Grund. Das Victoria and Albert Museum bezeichnet das Werk als erstes Buch, das mit fotografischen Verfahren illustriert wurde. Atkins verbindet botanische Dokumentation mit einer sorgfältigen Anordnung der Formen. [7]
Bildausschnitt, zum vollständigen Bild und zum Werkartikel bitte auf das Bild tippen.
Anna Atkins, Cystoseira granulata, Cyanotypie/Fotogramm aus dem ersten Teil von Photographs of British Algae: Cyanotype Impressions, ausgegeben Oktober 1843. The New York Public Library, Spencer Collection. [1]
Beschleunigung und soziale Frage
1844 – Eisenbahn, Weberaufstand und fotografische Bücher
In Turners „Regen, Dampf und Geschwindigkeit – Die Great Western Railway“ fährt ein Zug durch Regen und Dunst auf die Betrachtenden zu. Brücke, Landschaft und Lokomotive werden in Farbe und Bewegung miteinander verbunden. Turner zeigt die Eisenbahn nicht als technische Zeichnung, sondern als Erfahrung eines neuen Tempos. Die moderne Verkehrswelt verändert damit auch, was die Landschaftsmalerei erzählen kann. [9]
Im Juni erheben sich schlesische Weber gegen ihre wirtschaftliche Not; preußisches Militär schlägt den Aufstand blutig nieder. Carl Wilhelm Hübner malt noch 1844 „Die schlesischen Weber“. Er stellt die Abhängigkeit der Arbeiter von einem Tuchverleger in den Mittelpunkt eines Genrebildes. Das Werk existiert in mehreren Fassungen. Seine Bedeutung liegt darin, einen gegenwärtigen sozialen Konflikt öffentlich sichtbar zu machen, ohne den Webern die Rolle historischer Helden zuzuweisen. [10][11]
Auch fotografische Bilder erreichen ein neues Publikum. William Henry Fox Talbot veröffentlicht ab Juni 1844 „The Pencil of Nature“ in mehreren Lieferungen; die Reihe wird 1846 abgeschlossen. Sie enthält Fotografien und kurze Erläuterungen möglicher Anwendungen des Verfahrens. Das Metropolitan Museum of Art bezeichnet sie als erstes kommerziell veröffentlichtes Buch mit fotografischen Abzügen. Atkins’ seit 1843 privat verbreitete Publikation war früher; beide Leistungen unterscheiden sich in der Art ihrer Veröffentlichung. [12]
Auf einer Leitung zwischen Washington und Baltimore wird im Mai eine telegrafische Nachricht über große Entfernung gesendet. An dem Projekt arbeiten Samuel Morse und Alfred Vail. Die Telegrafie gehört nicht zur Maltechnik, verändert aber den Umgang mit Aktualität. Nachrichten können viel schneller zirkulieren – in einer Welt, in der auch Bilder von Zügen, Arbeit und gesellschaftlichen Konflikten zunehmend um öffentliche Aufmerksamkeit konkurrieren. [13]
1845 – Hungerkrise und ein stilles Zimmer
In Irland beginnt die Große Hungersnot. Die Kartoffelfäule zerstört die Grundlage der Ernährung vieler Menschen; bestehende Armut und die Grenzen staatlicher Hilfsmaßnahmen verschärfen die Katastrophe. Hunger, Krankheiten und Auswanderung prägen die folgenden Jahre. Diese Geschichte sollte nicht als bloßes Vorspiel einer Kunstrichtung erscheinen. Sie zeigt, wie wenig die Erfahrung technischen Fortschritts über die Lebensbedingungen aller Menschen aussagt. [14]
Zur selben Zeit malt Adolph Menzel „Das Balkonzimmer“. Niemand ist zu sehen. Eine Gardine bewegt sich vor der Balkontür, Licht fällt auf den Boden, und ein Spiegel gibt einen Teil des Raums nur indirekt wieder. Ohne berühmte Person und ohne erzählte Handlung wird ein gewöhnlicher Wohnraum zum eigenständigen Bildgegenstand. Die Alte Nationalgalerie hebt die Frische der Beobachtung hervor, weist aber auch auf die eigentümliche Leere des Zimmers hin. Das Werk lässt sich deshalb nicht einfach als vorweggenommener Impressionismus etikettieren. Es zeigt eine andere Möglichkeit, die unmittelbare Gegenwart ernst zu nehmen. [15]
1846 – Versorgungskrise und der Wert des modernen Lebens
Missernten und steigende Lebensmittelpreise verschärfen 1846 und 1847 die Not in den deutschen Staaten. Besonders Menschen mit geringen Einkommen können sich Grundnahrungsmittel immer schwerer leisten. Die Spannungen um Arbeit, Brot und politische Mitsprache bilden einen Hintergrund der Revolutionen von 1848. Darstellungen von Armut und Arbeit erhalten in einer solchen Öffentlichkeit eine Dringlichkeit, die über reine Genremotive hinausgeht. [16]
In seinem „Salon de 1846“ fordert Charles Baudelaire, den „Heroismus des modernen Lebens“ zu erkennen. Kleidung, Menschen und Erfahrungen der eigenen Zeit können für ihn Stoff bedeutender Kunst sein. Zugleich befasst er sich ausführlich mit Eugène Delacroix: Die Hinwendung zur Moderne verlangt also nicht, dass alle ältere Bildsprache sofort verschwindet. Baudelaires Text formuliert ein kunstkritisches Programm, während unterschiedliche Malweisen weiter nebeneinander bestehen. [17]
Bildausschnitt, zum vollständigen Bild und zum Werkartikel bitte auf das Bild tippen.
Adolph Menzel, Das Balkonzimmer, 1845, Öl auf Pappe, 58 × 47 cm, Alte Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin. [1]
Historienmalerei und Revolution
1847 – Eine antike Szene über eine gegenwärtige Gesellschaft
Thomas Couture zeigt im Pariser Salon „Die Römer der Verfallszeit“ („Romains de la décadence“). Das großformatige Gemälde führt eine Szene aus der Antike vor, lässt sich aber zugleich als Kritik an der französischen Gesellschaft der Julimonarchie lesen. Das Musée d’Orsay beschreibt diesen Bezug zur Gegenwart ausdrücklich. Damit erinnert das Bild an eine Besonderheit des Jahrzehnts: Gesellschaftskritik muss nicht immer Menschen der eigenen Zeit darstellen. Auch ein akademisches Historienbild kann auf aktuelle Spannungen reagieren. [18]
1848 – Revolutionen verändern Bilder und Kunstöffentlichkeit
Im Februar stürzt eine Revolution in Paris die Julimonarchie. Ihre Folgen erreichen auch den Kunstbetrieb. Der Salon von 1848 nimmt Kunstwerke ohne die zuvor übliche Zulassungsjury auf; ein Wettbewerb für die bildliche Verkörperung der Republik steht allen offen, und der Staat vergibt Aufträge. Künstler verhandeln damit nicht nur was sie zeigen, sondern auch, wer seine Werke öffentlich zeigen und über die neuen politischen Ideale mitgestalten darf. Die Freiheit des Augenblicks bedeutet jedoch noch keinen dauerhaft freien Kunstbetrieb. [19]
Revolutionäre Bewegungen breiten sich über Europa aus. Im Deutschen Bund fordern Menschen Grundrechte, politische Mitbestimmung und nationale Einheit. Am 18. Mai tritt die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche zusammen. Die Debatten über eine Verfassung finden in einem Raum statt, dessen Bilder politische Erwartungen sichtbar machen. [20]
Über dem Präsidium hängt die monumentale „Germania“. Gesprengte Ketten, Schwarz-Rot-Gold und die aufgehende Sonne stehen für Befreiung und einen erhofften Neubeginn. Das Germanische Nationalmuseum schreibt den Entwurf Philipp Veit mit Vorbehalt zu und nennt seine Ateliergemeinschaft bei der Ausführung. Das Gemälde ist keine Illustration eines bereits erreichten Nationalstaats: Es richtet sich als politisches Bild an die Abgeordneten, während sie über dessen Zukunft beraten. [21]
Im Juni führen soziale und politische Spannungen in Paris zu einem weiteren, blutig bekämpften Aufstand. Charles-François Thibault fotografiert Barrikaden im Faubourg du Temple am 25. und 26. Juni. Zwei seiner Daguerreotypien werden bald darauf als Vorlagen für Holzstiche verwendet, die in der Zeitschrift „L’Illustration“ erscheinen. Die Bilder können damals nicht einfach wie heutige Pressefotos gedruckt werden; erst die grafische Übertragung macht sie einem größeren Publikum zugänglich. Hier treffen Revolution, Fotografie und Nachrichtenverbreitung unmittelbar zusammen. [22]
Ebenfalls 1848 gründen in London sieben junge Künstler die Präraffaelitische Bruderschaft, darunter William Holman Hunt, John Everett Millais und Dante Gabriel Rossetti. Sie wenden sich gegen akademische Gewohnheiten und suchen in genauer Naturbeobachtung, leuchtender Farbe und älterer Kunst neue Vorbilder. Ihre Ziele unterscheiden sich von Courbets späterem Realismus. Ihre Gründung macht aber deutlich, dass die Frage nach einer erneuerten Kunst in mehreren Ländern und mit sehr verschiedenen Antworten gestellt wird. [23]
Bildausschnitt, zum vollständigen Bild und zum Werkartikel bitte auf das Bild tippen.
Germania hing 1848 über dem Präsidium der Frankfurter Nationalversammlung und verkörperte deren Hoffnung auf Freiheit und staatliche Einheit.
Das Alltägliche auf großer Leinwand
1849 – Politische Niederlage und neue Themen der Malerei
Die Frankfurter Nationalversammlung verabschiedet im März eine Reichsverfassung. Friedrich Wilhelm IV. lehnt die angebotene Kaiserkrone am 28. April ab. Die Aufstände, mit denen Anhänger die Verfassung noch durchsetzen wollen, werden militärisch niedergeschlagen. In Preußen wird zudem 1849 ein indirektes Dreiklassenwahlrecht verordnet: Der politische Einfluss der Wähler hängt damit stark von ihrer Steuerleistung ab. Die Forderung nach gleichberechtigter Mitsprache bleibt unerfüllt. [24][25][26]
In Frankreich arbeitet Gustave Courbet an Bildern seiner Heimatregion Ornans. „Die Steinklopfer“ von 1849 rückt körperlich schwere Arbeit in den Blick; das Gemälde ist heute zerstört. Bereits mit „Nach dem Abendessen in Ornans“ („Une après-dînée à Ornans“) hat Courbet im Salon von 1849 Erfolg, und der Staat kauft das Werk. Künstlerischer Realismus entsteht also nicht einfach außerhalb aller Institutionen. Courbet nutzt auch die öffentliche Bühne des Salons, während er mit Themen und Bildformaten über die gewohnte Rangordnung hinausgeht. [19][27][28]
Jean-François Millet verlässt Paris und lässt sich 1849 in Barbizon nieder. Die Arbeit auf dem Land und das Leben der bäuerlichen Bevölkerung werden zu wichtigen Themen seiner Kunst. Während Courbet Menschen aus seiner Heimat auf großen Leinwänden zeigt, entwickelt Millet einen eigenen Zugang zur Würde und Härte landwirtschaftlicher Arbeit. Diese zweite Perspektive erweitert den Blick auf die Anfänge des Realismus. [29]
1850 – Beerdigung, Aussaat und eine Werkstatt
Courbet vollendet „Ein Begräbnis in Ornans“, das er 1849 begonnen hat. Auf einer 315 × 668 Zentimeter großen Leinwand zeigt er Menschen aus seiner Heimatstadt bei einer Beerdigung. Es gibt keinen historischen Helden und keine idealisierte Hauptfigur. Die Bewohnerinnen und Bewohner erhalten dennoch eine nahezu lebensgroße Präsenz, die man vom Historienbild kennt. Bei der Präsentation im Pariser Salon von 1850–1851 erregt gerade dieser Anspruch Aufmerksamkeit: Ein Ereignis aus dem gewöhnlichen Leben beansprucht den Raum der „großen“ Kunst. [28]
Mit „Der Sämann“ stellt Millet im Salon von 1850 einen Bauern bei der Aussaat vor. Seine weit ausholende Bewegung und die Größe seiner Gestalt geben der Feldarbeit Gewicht und Würde. Das Museum of Fine Arts, Boston, beschreibt die Salonpräsentation als einen Durchbruch des Künstlers. Courbets Trauergesellschaft und Millets einzelner Arbeiter behandeln unterschiedliche Situationen. Gemeinsam ist ihnen, dass Menschen des ländlichen Alltags nicht länger nur beiläufiges Beiwerk sind. [30]
Zur gleichen Zeit malt John Everett Millais „Christus im Haus seiner Eltern“ („Christ in the House of His Parents“, 1849–1850). Er verlegt eine religiöse Szene in eine genau beobachtete Zimmermannswerkstatt. Seine Aufmerksamkeit für Werkzeuge, Körper und Arbeitsraum dient einem anderen Ziel als bei Courbet oder Millet: Sie gibt einer biblischen Erzählung sinnliche Gegenwart. Die drei Werke zeigen, wie unterschiedlich Künstler um 1850 nach Glaubwürdigkeit im Bild suchen. [31]
Was sich bis 1850 verändert hat
Die Fotografie dient längst nicht mehr nur dem Porträt. Sie hält Stadtbrände und Barrikaden fest, veranschaulicht botanisches Wissen und liefert Vorlagen für gedruckte Nachrichtenbilder. Kunstkritik, Bücher, Salons und Presse bestimmen mit, welche Bilder ein Publikum erreichen. Zugleich machen Hungerkrisen und Revolutionen deutlich, dass technische Beschleunigung und gesellschaftlicher Fortschritt nicht dasselbe sind.
In der Malerei bleibt das Bild der Gegenwart vielfältig. Turner verwandelt die Erfahrung moderner Maschinen in bewegte Landschaften; Menzel untersucht Licht und Raum; Couture nutzt die Antike für Gesellschaftskritik; die Präraffaeliten suchen Erneuerung in genauer Beobachtung. Courbet und Millet stellen am Ende des Jahrzehnts Menschen aus dem gewöhnlichen Leben mit neuem Gewicht dar. Der Weg zum Realismus ist deshalb keine gerade Linie, sondern eine Veränderung der Fragen, die Künstler an die sichtbare Welt stellen.
Quellen
- [1] Berlin Museum, Karl Friedrich Schinkel.
- [2] National Portrait Gallery, British artists’ suppliers: John Goffe Rand.
- [3] Stiftung Historische Museen Hamburg, Ruinen um die Binnenalster, Hermann Biow.
- [4] Tate, J. M. W. Turner: Snow Storm – Steam-Boat off a Harbour’s Mouth.
- [5] Staatliche Museen zu Berlin, Johann Peter Hasenclever: Das Lesekabinett.
- [6] Lancaster University, The Ruskin: Ruskin’s Life.
- [7] Victoria and Albert Museum, A blueprint for the future: Cyanotypes by Anna Atkins.
- [8] The New York Public Library, Cystoseira granulata.
- [9] National Gallery, London, J. M. W. Turner: Rain, Steam, and Speed – The Great Western Railway.
- [10] Deutsches Historisches Museum, Weberaufstand 1844.
- [11] Kunstpalast Düsseldorf, Carl Wilhelm Hübner: Die schlesischen Weber.
- [12] Metropolitan Museum of Art, William Henry Fox Talbot: The Pencil of Nature.
- [13] Smithsonian Institution Archives, Forgotten History: Alfred Vail and Samuel Morse.
- [14] National Archives of Ireland, Famine Records, Distress Papers and the Relief Commission.
- [15] Staatliche Museen zu Berlin, Adolph Menzel: Das Balkonzimmer.
- [16] Deutsches Historisches Museum, Die Krisenjahre 1846/47.
- [17] Bergische Universität Wuppertal, Charles Baudelaire: De l’héroïsme de la vie moderne.
- [18] Musée d’Orsay, Thomas Couture: Romains de la décadence.
- [19] Musée d’Orsay, 1848: la République et l’Art vivant; Ministère de la Culture, Le Salon et les expositions.
- [20] Deutscher Bundestag, Revolution und Frankfurter Nationalversammlung 1848/1849.
- [21] Germanisches Nationalmuseum, Germania aus dem Sitzungssaal der Frankfurter Paulskirche; Objektkatalog: Germania.
- [22] Musée Carnavalet, Barricades dans le Faubourg du Temple, 25 juin 1848.
- [23] Metropolitan Museum of Art, The Pre-Raphaelites.
- [24] Bundesarchiv, April 1849: Ablehnung der Kaiserkrone.
- [25] Deutsches Historisches Museum, Revolution 1848.
- [26] Deutsches Historisches Museum, Das Preußische Dreiklassenwahlrecht.
- [27] Metropolitan Museum of Art, Nineteenth-Century French Realism.
- [28] Musée d’Orsay, Gustave Courbet: Un enterrement à Ornans.
- [29] Metropolitan Museum of Art, Jean-François Millet: A Shepherdess with Her Flock.
- [30] Museum of Fine Arts, Boston, Jean-François Millet: The Sower.
- [31] Tate, John Everett Millais: Christ in the House of His Parents.



