Wie drei alte Meister Rom zum Sehnsuchtsort des Lukasbundes machen
Drei berühmte Künstler schweben auf einer Wolke über Rom. Unter ihnen liegen der Vatikan, der Petersdom und die Engelsburg. Franz Pforr zeigt hier kein tatsächliches Ereignis. Raffael, Fra Angelico und Michelangelo werden vielmehr zu Sinnbildern eines künstlerischen Ideals.
Die Zeichnung entstand 1810 – in jenem Jahr, in dem Pforr und drei weitere Mitglieder des Lukasbundes Wien verließen und nach Rom aufbrachen. Das kleine Blatt wirkt deshalb wie ein künstlerisches Glaubensbekenntnis: Es zeigt, bei welchen Meistern die jungen Künstler lernen wollten, welche Bedeutung sie religiöser Kunst gaben und weshalb Rom für sie weit mehr als ein Reiseziel war.
Das Werk auf einen Blick
| Künstler | Franz Pforr (1788–1812) |
| Titel | Raffael, Fra Angelico und Michelangelo auf einer Wolke über Rom |
| Entstehungsjahr | 1810 |
| Technik | Bleistift auf weiß präpariertem Velinpapier, auf graublau meliertes Velinpapier kaschiert |
| Maße | 301 × 208 mm |
| Gattung | Allegorisches Künstlerbild mit Stadtansicht |
| Sammlung | Städel Museum, Graphische Sammlung, Frankfurt am Main |
| Inventarnummer | 6 Z |
| Bildrechte | Public Domain |
Die technischen Angaben und die Provenienz des Blattes dokumentiert das Städel Museum in seiner digitalen Sammlung.
Kurz erklärt
Franz Pforr stellt drei Künstler der italienischen Renaissance wie verehrte Heilige dar. Die Wolke hebt sie aus der gewöhnlichen Welt heraus, während Rom unter ihnen als geistiger und künstlerischer Sehnsuchtsort erscheint.
Die Zeichnung lässt sich deshalb als bildliches Programm des frühen Lukasbundes verstehen:
- Fra Angelico steht für religiöse Hingabe.
- Raffael verkörpert Harmonie, Klarheit und jugendliche Schöpferkraft.
- Michelangelo repräsentiert Größe, Ernst und gedankliche Tiefe.
- Rom erscheint als Ort, an dem die jungen Künstler diesen Vorbildern unmittelbar begegnen konnten.
Pforr erzählt somit nicht, was geschehen ist. Er zeigt, woran die Lukasbrüder glaubten und welche Kunst sie schaffen wollten.
Was ist auf der Zeichnung zu sehen?
Im unteren Teil des hochformatigen Blattes öffnet sich der Blick über Rom. Zu erkennen sind bedeutende Bauwerke der Stadt: der Petersdom, Teile des Vatikans und die Engelsburg. Die Stadt wirkt vergleichsweise klein und weit entfernt.
Darüber breitet sich eine große Wolke aus. Auf ihr befinden sich drei männliche Gestalten:
Links steht der jugendlich dargestellte Raffael. Seine aufrechte Haltung wirkt ruhig und selbstbewusst. In der Mitte erscheint Fra Angelico, der seine Hände zum Gebet zusammengeführt hat. Rechts sitzt der gealterte Michelangelo. Er wirkt nachdenklich und beinahe schwermütig.
Die drei Männer begegnen sich hier nur in der Vorstellung Pforrs. Sie lebten nicht alle zur selben Zeit und bildeten keine gemeinsame Künstlergruppe. Pforr führt sie zusammen, weil jeder von ihnen einen bestimmten Teil seines eigenen Kunstideals verkörpert.
Wie ist das Bild aufgebaut?
Die Komposition ist deutlich in zwei Bereiche gegliedert. Unten liegt die wirkliche Stadt, oben erscheint die ideale Gemeinschaft der verehrten Künstler.
Der Blick wandert zunächst über die dicht zusammengedrängten Gebäude Roms. Anschließend wird er von der hellen Wolke nach oben zu den drei Figuren geführt. Dadurch entsteht eine klare Rangordnung: Nicht die Stadt selbst bildet den Mittelpunkt, sondern die Künstler, deren Werke dort zu finden waren.
Obwohl das Blatt nur ungefähr 30 Zentimeter hoch ist, verleiht Pforr den drei Gestalten eine monumentale Wirkung. Sie erscheinen ruhig, geschlossen und fast wie Statuen. Fein gesetzte Schraffuren modellieren ihre Körper und Gewänder, ohne die Zeichnung unruhig werden zu lassen.
Die einfarbige Bleistiftzeichnung verstärkt den zurückhaltenden, ernsten Charakter. Farbe hätte die Wirkung möglicherweise lebhafter und sinnlicher gemacht. Pforr konzentriert sich stattdessen auf Kontur, Haltung und Bedeutung.
Warum stehen die Künstler auf einer Wolke?
Wolken kennzeichnen in der christlichen Kunst häufig den Übergang zwischen der irdischen und der himmlischen Welt. Heilige, Engel oder göttliche Erscheinungen werden auf diese Weise aus dem gewöhnlichen Raum herausgehoben.
Pforr überträgt diese Bildsprache auf Künstler. Raffael, Fra Angelico und Michelangelo erscheinen deshalb nicht nur als erfolgreiche Maler und Bildhauer. Sie werden zu geistigen Vorbildern und beinahe zu Schutzheiligen einer erneuerten Kunst.
Damit wird auch deutlich, wie der Lukasbund den Künstlerberuf verstand. Ein Künstler sollte nach Auffassung der Gruppe nicht allein über handwerkliches Können verfügen. Ebenso wichtig waren eine ernsthafte Lebensführung, religiöse Überzeugung und die Bereitschaft, sich einem höheren Ziel zu widmen.
Das Werk sagt daher ebenso viel über Pforrs Vorstellungen im Jahr 1810 aus wie über die Renaissancekünstler selbst.
Warum wählte Pforr gerade diese drei Meister?
Fra Angelico: Kunst als religiöse Hingabe
Fra Angelico war ein Maler und Dominikanermönch des 15. Jahrhunderts. In Pforrs Zeichnung nimmt er die Mitte der Gruppe ein. Seine Gebetshaltung macht ihn zum sichtbarsten Vertreter einer religiös verstandenen Kunst.
Nach den Forschungen des Städel Museums orientierte sich Pforr bei dieser Figur wahrscheinlich an Fra Angelicos Grabmal in der römischen Kirche Santa Maria sopra Minerva. Damit griff er auf ein Bildnis zurück, das er in Rom selbst sehen konnte.
Für die Lukasbrüder war Fra Angelico besonders wichtig, weil sich in seiner Person Kunst und Glauben miteinander zu verbinden schienen. Sein Leben entsprach ihrer Vorstellung vom Künstler als einem Menschen, dessen Werk und innere Haltung eine Einheit bilden sollten.
Raffael: Harmonie und jugendliche Schöpferkraft
Raffael erscheint links als jugendlicher, selbstbewusster Künstler. Seine Werke galten als Beispiele einer ausgewogenen und verständlichen Bildgestaltung. Besonders seine Fresken im Vatikan konnten die Lukasbrüder in Rom im Original studieren.
Für Raffaels Gesicht verwendete Pforr vermutlich einen Kupferstich aus Wilhelm Heinrich Wackenroders Buch Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders. Dieses 1797 erschienene Werk prägte die Vorstellungen der jungen Künstler stark. Es beschrieb Kunst nicht nur als erlernbare Fähigkeit, sondern als Ausdruck von Gefühl, Andacht und innerer Berufung.
Michelangelo: Größe, Ernst und Nachdenklichkeit
Michelangelo sitzt rechts als alter, in Gedanken versunkener Mann. Seine Haltung unterscheidet sich deutlich von der jugendlichen Aufrichtung Raffaels und der betenden Versenkung Fra Angelicos.
In dieser Darstellung kann Michelangelo für die gewaltige schöpferische Kraft, aber auch für die Last des Künstlerdaseins stehen. Er erscheint nicht als unbekümmerter Erfolgsmensch, sondern als ernste, nach innen gerichtete Persönlichkeit.
Pforr konnte in Rom sowohl Michelangelos Werke im Vatikan als auch dessen auferstandenen Christus in Santa Maria sopra Minerva sehen. Die drei dargestellten Meister waren deshalb keine fernen Namen aus einem Lehrbuch. Ihre Kunst war in Rom unmittelbar erfahrbar.
Eine selbst gewählte Kunstgeschichte
Die Zusammenstellung der drei Meister ist keine neutrale Übersicht über die italienische Renaissance. Pforr stellt eine persönliche Auswahl zusammen. Er erschafft sich gewissermaßen seine eigene Kunstgeschichte.
Dabei interessieren ihn nicht allein unterschiedliche Stile. Er sucht Eigenschaften, die ihm für eine neue Kunst wichtig erscheinen:
- religiöse Aufrichtigkeit,
- formale Klarheit,
- geistige Tiefe,
- handwerkliche Sorgfalt,
- eine vorbildliche Lebensführung.
Die Zeichnung zeigt somit, wie Künstler ihre eigenen Vorläufer auswählen. Indem Pforr bestimmte Meister hervorhebt, erklärt er zugleich, zu welcher Tradition er selbst gehören möchte.
Aus heutiger Sicht lässt sich diese Auswahl auch kritisch betrachten. Pforr entwirft einen Kanon aus drei berühmten männlichen Künstlern und erhebt sie zu nahezu überzeitlichen Autoritäten. Gerade deshalb eignet sich das Blatt gut, um darüber nachzudenken, wie kunsthistorische Vorbilder entstehen – und wer in solchen Erzählungen sichtbar oder unsichtbar bleibt.
Welche Rolle spielte Wackenroder?
Wilhelm Heinrich Wackenroders Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders gehörten zu den einflussreichen Texten der Frühromantik. Das Buch verband die Bewunderung alter Meister mit religiösem Empfinden, Italiensehnsucht und der Vorstellung einer innerlich empfundenen Kunst.
Auch die Lebensgeschichten berühmter Künstler erhielten darin eine besondere Bedeutung. Die Meister der Vergangenheit erschienen nicht bloß als historische Personen, sondern als moralische und geistige Vorbilder.
Pforrs Zeichnung übersetzt diese Vorstellung in ein Bild. Die verehrten Künstler schweben über Rom wie eine Gemeinschaft, der man sich innerlich anschließen kann. Aus kunsthistorischer Bewunderung wird beinahe ein Glaubensbekenntnis.
Rom als Gegenakademie
Der Lukasbund war 1809 in Wien aus der Unzufriedenheit junger Akademiestudenten entstanden. Sie empfanden den Unterricht als zu stark von festen Regeln, Routinen und äußerer Virtuosität bestimmt. Stattdessen suchten sie eine Kunst, die von persönlicher Überzeugung und gemeinschaftlichen Idealen getragen wurde.
1810 brachen Franz Pforr, Friedrich Overbeck, Ludwig Vogel und Johann Konrad Hottinger nach Rom auf. Dort lebten sie zeitweise gemeinsam im ehemaligen Kloster San Isidoro. Informationen zu dieser Lebens- und Arbeitsgemeinschaft bietet auch die Ausstellung des Freien Deutschen Hochstifts über die Lukasbrüder.
Rom wurde für die jungen Künstler zu einer Art selbst gewählter Gegenakademie. Sie lehnten das Lernen nicht ab. Sie wollten aber selbst bestimmen, von wem, auf welche Weise und mit welchem Ziel sie lernten.
An die Stelle vorgeschriebener Akademieregeln traten:
- das Studium alter Meister im Original,
- die gemeinsame Arbeit mit Gleichgesinnten,
- das Leben in einer Künstlergemeinschaft,
- religiöse und literarische Anregungen,
- die freiwillige Verpflichtung auf gemeinsame Ideale.
Warum ist Albrecht Dürer nicht dargestellt?
Auch Albrecht Dürer war für Pforr und die Lukasbrüder ein entscheidendes Vorbild. Ihre Reise nach Italien verstanden sie teilweise sogar als Bewegung „auf Dürers Spuren“. Weshalb erscheint er dann nicht auf der Wolke?
Die Zeichnung konzentriert sich auf die italienischen Meister und auf Rom als deren Wirkungs- beziehungsweise Erinnerungsort. Sie zeigt somit vor allem jene Seite des künstlerischen Programms, der die Lukasbrüder in Italien begegnen wollten.
Der deutsche Anteil ihres Ideals wird dadurch jedoch nicht ausgeschlossen. Pforrs Ziel bestand gerade darin, deutsche und italienische Kunsttraditionen miteinander zu verbinden. Die Genauigkeit und Innerlichkeit, die er mit Dürer verband, sollten mit der Klarheit und Größe der italienischen Renaissance zusammenfinden.
Die drei Künstler auf der Wolke bilden daher keine vollständige Liste sämtlicher Vorbilder. Sie stehen für einen bestimmten Ausschnitt des Programms: die Erwartungen, die sich für Pforr mit Rom verbanden.
Warum gehört dieses Bild zum Artikel über den Aufbruch nach Rom?
Die Zeichnung beantwortet bildlich die Frage, weshalb die Lukasbrüder 1810 nach Rom gingen.
Sie wollten nicht einfach eine berühmte Stadt besuchen. In Rom hofften sie, den Werken der verehrten Meister unmittelbar zu begegnen. Sie suchten eine Umgebung, in der Kunst, Religion, Geschichte und gemeinschaftliches Leben miteinander verbunden werden konnten.
Die Stadtansicht unter der Wolke ist deshalb mehr als eine Ortsangabe. Rom wird zur Grundlage einer künstlerischen Vision. Über der wirklichen Stadt erscheint das ideale Rom der Kunstgeschichte.
Das Blatt bildet zugleich eine Brücke zum nächsten Abschnitt der Geschichte der Nazarener: ihrem gemeinschaftlichen Leben im Kloster San Isidoro und ihrem Versuch, aus den bewunderten Vorbildern eine eigene zeitgenössische Kunst zu entwickeln.
Was hat der Rückgriff auf alte Meister mit der Moderne zu tun?
Auf den ersten Blick scheint Pforrs Zeichnung rückwärtsgewandt. Die jungen Künstler wollten sich an Vorbildern aus dem 15. und 16. Jahrhundert orientieren. Dennoch gehört ihre Haltung zum Weg in die Moderne.
Das Moderne liegt hier nicht unbedingt im sichtbaren Stil, sondern in der Selbstbestimmung der Künstler. Der Lukasbund akzeptierte nicht länger selbstverständlich, welche Regeln die Akademie vorgab. Seine Mitglieder wählten ihre Lehrer, Vorbilder, Lebensform und künstlerischen Ziele selbst.
Darin liegt ein grundlegender Widerspruch der Nazarener: Sie suchten das Neue mithilfe der Vergangenheit. Gerade durch die bewusste Rückkehr zu älteren Kunstformen wollten sie sich von der Gegenwart abgrenzen.
Pforrs Zeichnung macht diesen Widerspruch sichtbar. Sie verehrt historische Autoritäten und ist zugleich Ausdruck eines jungen Künstlers, der seinen eigenen Platz in der Kunstgeschichte bestimmen möchte.
Praktische Bildinterpretation Schritt für Schritt
So kannst du die Zeichnung interpretieren
Eine Bildinterpretation kann von der Frage ausgehen:
Welche Vorstellung von Kunst und Künstlern vermittelt Franz Pforr in dieser Zeichnung?
1. Beschreibe zunächst das Sichtbare
Halte fest, dass drei Künstler auf einer Wolke über Rom dargestellt sind. Benenne ihre Positionen, Körperhaltungen und die erkennbaren Bauwerke der Stadt.
2. Untersuche die räumliche Ordnung
Achte auf den Gegensatz zwischen der kleinen, weit unten liegenden Stadt und den großen Figuren darüber. Frage dich, weshalb Pforr die Künstler deutlich hervorhebt.
3. Deute die Wolke
Überlege, aus welchen religiösen Darstellungen du ein solches Motiv kennst. Die Wolke kann darauf hinweisen, dass die Künstler über die gewöhnliche Welt erhoben und wie Heilige verehrt werden.
4. Beziehe den historischen Zusammenhang ein
Verbinde die Zeichnung mit der Gründung des Lukasbundes, der Kritik an der Wiener Akademie und dem Aufbruch nach Rom im Jahr 1810.
5. Formuliere eine Gesamtaussage
Erkläre abschließend, dass Pforr nicht nur drei historische Künstler darstellt. Er entwirft ein Programm für die Kunst und das Künstlerleben seiner eigenen Gegenwart.
Beispiel für eine kurze Interpretation
Franz Pforr stellt Raffael, Fra Angelico und Michelangelo auf einer Wolke über Rom dar. Durch diese erhöhte Position erscheinen die drei Renaissancekünstler beinahe wie Heilige. Ihre unterschiedlichen Haltungen können verschiedene Eigenschaften eines idealen Künstlers verkörpern: Selbstbewusstsein, religiöse Hingabe und gedankliche Tiefe. Rom unter ihnen ist sowohl ein wirklicher Ort als auch ein Sinnbild für die erhoffte Erneuerung der Kunst. Die Zeichnung zeigt damit, weshalb die Lukasbrüder nach Italien aufbrachen und welche Vorbilder sie für ihre eigene Gemeinschaft auswählten.
Merke
Kurz zusammengefasst
- Franz Pforr schuf die Zeichnung 1810, im Jahr des Aufbruchs der Lukasbrüder nach Rom.
- Raffael, Fra Angelico und Michelangelo erscheinen auf einer Wolke über der Stadt.
- Das Zusammentreffen ist erfunden und besitzt eine allegorische Bedeutung.
- Die drei Meister verkörpern unterschiedliche Bestandteile von Pforrs Kunstideal.
- Durch die Wolke werden die Künstler wie Heilige oder geistige Schutzfiguren inszeniert.
- Rom erscheint als Sehnsuchtsort und als selbst gewählte Alternative zur Wiener Akademie.
- Das Blatt zeigt den Versuch, durch die Rückbesinnung auf alte Meister eine neue Kunst zu begründen.
Häufige Fragen zur Zeichnung
Haben sich Raffael, Fra Angelico und Michelangelo tatsächlich getroffen?
Nein. Pforr zeigt keine historische Begegnung. Fra Angelico gehörte einer früheren Generation an, während Raffael und Michelangelo zwar Zeitgenossen waren, aber keine solche Dreiergruppe bildeten. Das Zusammentreffen ist eine allegorische Erfindung.
Warum befinden sich die Künstler auf einer Wolke?
Die Wolke erinnert an religiöse Darstellungen von Heiligen und himmlischen Erscheinungen. Pforr erhebt die drei Künstler damit zu geistigen Vorbildern.
Ist die Ansicht von Rom wirklichkeitsgetreu?
Einzelne Bauwerke wie der Petersdom, der Vatikan und die Engelsburg sind erkennbar. Die Stadtansicht dient jedoch vor allem der eindeutigen Kennzeichnung des Ortes. Sie ist keine ausführliche topografische Dokumentation.
Warum steht Fra Angelico in der Mitte?
Seine zentrale Position und seine Gebetshaltung betonen die religiöse Grundlage von Pforrs Kunstverständnis. Für die Lukasbrüder sollte Kunst nicht nur schön oder technisch vollkommen, sondern auch innerlich wahr und geistig begründet sein.
Entstand die Zeichnung vor oder nach der Ankunft in Rom?
Das Blatt ist auf 1810 datiert, also auf das Jahr der Reise. Einzelheiten der Darstellung hängen wahrscheinlich mit Pforrs Beschäftigung mit römischen Kunstwerken und Denkmälern zusammen. Ohne eine genauere Datierung lässt sich jedoch nicht sicher bestimmen, in welchem Monat es entstand.
Weshalb wird die Gruppe hier Lukasbund und nicht Nazarener genannt?
„Lukasbund“ war der von den jungen Künstlern selbst gewählte Name. Die Bezeichnung „Nazarener“ entstand später zunächst als spöttischer Beiname. Für die Gründungszeit um 1809 und 1810 ist „Lukasbund“ daher die genauere Bezeichnung.
Wo befindet sich die Zeichnung heute?
Das Blatt gehört zur Graphischen Sammlung des Städel Museums in Frankfurt am Main. Es kam 1861 durch das Vermächtnis Johann David Passavants in die Sammlung.
Erfahre mehr
Vom Lukasbund nach Rom: Wie die Gemeinschaft der Nazarener entstand
Der Hauptartikel erklärt, weshalb sich die jungen Wiener Akademiestudenten zusammenschlossen, welche Regeln sie sich gaben und warum vier von ihnen 1810 nach Rom aufbrachen.
Die Nazarener: Eine Künstlergemeinschaft zwischen Vergangenheit und Moderne
Der einführende Artikel ordnet die Gruppe kunsthistorisch ein und zeigt, weshalb ihre Rückbesinnung auf Religion und alte Meister zugleich eine moderne Form künstlerischer Selbstbestimmung war.
Die digitale Sammlung des Museums bietet die vollständigen Werkangaben, eine vergrößerbare Abbildung und zusätzliche Informationen zu Pforrs Vorbildern.
Franz Pforr in der digitalen Sammlung des Städel Museums
Hier findest du weitere Zeichnungen und Gemälde des früh verstorbenen Künstlers und kannst seine Entwicklung mit anderen Werken vergleichen.
Die Lukasbrüder im Freien Deutschen Hochstift
Der Ausstellungsbeitrag erläutert die Gründung des Bundes, seine gemeinsamen Lebensregeln und die Bedeutung der Reise nach Rom.